Aktuelles



Bayerischer Anerkennungspreis für Coburger Designerin

Mit ihrem innovativen Holzspielzeug "Nini Amici" konnte Nina Renth die Jury beim Bayerischen Staatspreis für Nachwusdesigner überzeugen und gewinnt den mit 1.000 € dotierten Anerkennungspreis. Herzlichen Glückwunsch!

 

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Gamification im Einzelhandel gewinnt 1. Coburger Gründer:Pitch!

Im Rahmen des Gründertages "CO:Existenz - Der Tag für Gründer und Jungunternehmer im Coburger Land!" fand der 1. Coburger Gründer:Pitch statt, der auf Anhieb ein voller Erfolg wurde. Sechs Gründer aus dem Coburger Land präsentierten ihre innovativen Geschäfts- ideen einer Expertenjury und dem anwesenden Publikum. Von der Vermittlungsplattform für Schafe über einen individuell gestaltbaren Wand- flaschenöffner bis zur IT-Sicherheits-beratung wurden an diesem Abend interessante, kreative und neuartige Ideen vorgestellt, die das Potenzial der Coburger Gründerszene repräsentierten. Am meisten überzeugte die Jury und das Publikum die Idee des Gamifications im Einzelhandel von Markus Hülß. Mit der Idee die Prinzipien von Videospielen im Einzelhandel einzusetzen und somit Kundenbindung und Umsatz zu erhöhen, sahen die Anwesenden das größte Potenzial für die Zukunft.


Wachtelbräu Gossenberg

„Einen surfenden Jäger, der Bier braut und eine Schafherde hat! Hast du so jemanden schon mal gesehen?“ Diese Kombination findet man bei der Wachtelbräu in Gossenberg, in der Person des Brauers Moritz Seiler. 2021 hat sich der gelernte Physiotherapeut seinen Traum einer eigenen Brauerei verwirklicht und damit sein Hobby professionalisiert.  Viele Coburger kennen sein Bier bereits, denn das gibt es exklusiv im Goldenen Hirsch in der Judengasse. Im Interview spricht der Brauer über Authentizität und Regionalität sowie die „Ferz“, die ihm so im Kopf rumschwirren. Ein echter Franke, mit einer großen Leidenschaft zum Gerstensaft. 

Moritz, du hast eine Ausbildung und ein Studium zum Physiotherapeuten absolviert. Was hat dich dazu bewogen jetzt eine Brauerei zu gründen und dich als Bierbrauer selbstständig zu machen?


Das Brauen habe ich im Alter von 19 Jahren mit einem 20 Liter Ein-Weck-Topf in der Waschküche meiner Mutter begonnen. Von ihr bekam ich auch das Buch „Gutes Bier selbst brauen.“ Darin blättere ich heute noch gerne und nutze daraus Rezepte. Aus dem Hobby wurde dann eine richtige Leidenschaft und egal wo ich beruflich auch war, mein Equipment zum Hobby-Brauen zog immer mit mir umher! Aus den 20 Litern wurde dann zunächst eine Kapazität von 100 Litern. Irgendwann kam ich zurück nach Franken, traf auf meine heutige Frau und entschied mir hier etwas aufzubauen. Wir zogen in das Haus in Gossenberg, wo wir heute wohnen und ich auch braue. Direkt an das Haus angebunden, gab es einen alten Kuhstall. Der war recht schnell ein „Grümbelraum“! Eines Tages habe ich beschlossen: jetzt fliegt alles raus und ich mache daraus eine Mini-Brauerei. Das hat dann ein Jahr gedauert. Alles in Eigenarbeit zusammen mit Freunden und der Familie. Wir haben nicht nur gerade Wände geschaffen (gar nicht so einfach in einem Jahrhunderte alten Kuhstall die Wände zu fließen), sondern auch viele Teile der Brauanlage sind Marke Eigenbau. Ich braue in einem früheren Milchtank, der Boden des Läuterbottichs ist selbst geschweißt und mein Braupaddel aus Holz ist in Handarbeit hergestellt. Aus den 100 Liter sind mittlerweile 300 Liter Braukapazität geworden. Ein erster 500 Liter Lagertank steht bereits neben der Anlage und drei weitere sind schon im Zwischenlager und warten noch auf den Einbau. Das Brauen ist für mich aber weiterhin nur ein Hobby und ein Nebenerwerb, denn die Physiotherapie ist ein Teil von mir, welchen ich nicht aufgeben möchte.

Was qualifiziert dich als Bierbrauer zu arbeiten? Braucht es eine Ausbildung oder macht es die langjährige Erfahrung?


Eine Ausbildung zum Brauer habe ich ja nicht gemacht. Das empfinde ich aber nicht als Nachteil, denn ich gehe mit Leidenschaft an die Sache ran. Das „Erlernen“ war bei mir daher eher ein „learning by doing“. Wenn ich eine Idee habe, versuche ich diese umzusetzen. Falls es nicht klappt, dann habe ich daraus gelernt. Früher gab es auf den Dörfern überall Brauhäuser. Auch da waren ja in der Regel keine Brauer tätig, sondern die Dorf-Brauhäuser entstanden aus der Not heraus, da die Landbevölkerung nach der Arbeit etwas zu trinken wollte. Da gab es sicherlich auch viele „Brauexperimente“. Heute gibt es mittlerweile (wieder) viele Fachfremde, welche ins Brauen „rein schmecken“ und das schafft Vielfalt und Geschmacksindividualität. Bier hat einfach Tradition und bei der versuche ich zu helfen sie aufrecht zu erhalten.

Du hast schon in verschiedenen Regionen und Ländern gearbeitet. Was hat dich zurück nach Franken gezogen? Wo schmeckt das Bier am besten?


Ich habe tatsächlich versucht meine Heimat zu verlassen, denn man muss ja mal was von der Welt gesehen haben! Bei mir hat das aber nicht gefruchtet (lacht). Ich bin einfach Franke und deshalb musste ich auch wieder hierher zurück. In der Schweiz war es beispielweise wirklich sehr schön und ich habe viele Freunde dort, aber es ist halt nicht Franken!


Die Frage, wo das Bier am besten schmeckt, lässt sich nicht so einfach beantworten. Natürlich trinke ich sehr gerne fränkische Biere, aber wenn ich beispielsweise nach Pilsen fahre, werde ich dort ein original Pilsener trinken. („Wenn’s gut schmeckt – sorry!“) In München hingegen trinke ich ein Weißbier und so weiter. Bier ist eine regionale Sache, denn die Zutaten sind überall anders. Das fängt schon beim Wasser an, denn Wasser ist nicht gleich Wasser. Jede Quelle hat andere Inhaltsstoffe und das hat, beim handwerklichen Brauen, auch eine Auswirkung auf das Ergebnis. Es gibt eine solche regionale Vielfalt, sodass man nicht einfach alle Biere miteinander vergleichen kann.

Du legst Wert auf den regionalen Bezug der Zutaten für dein Bier. Warum?


Die Flaschen, welche ich verwende, kommen aus Schleusingen, das Malz und die Hefe aus Bamberg, das Wasser aus Coburg und der Hopfen zumindest aus Deutschland. Perspektivisch aber gerne auch aus Franken (zumindest zum veredeln). Mein Anspruch ist es ein authentisches, fränkisches Produkt herzustellen und das geht eben nur mit Regionalität.


Wie kam es zum Namen Wachtelbräu?


Meine Frau hatte die Idee für die Namensgebung. Wir hatten mal ein paar Wachteln und sie meinte, dass Wachteln klein und edel sind, so wie meine Brauerei (lacht)! Und so entstand die Wachtelbräu.

Wie sieht der Alltag eines selbstständigen Bierbrauers aus?


Aktuell braue ich nur ungefähr einmal im Monat. Da stehe ich so um 6:30 Uhr auf und lasse das Wasser ein. Das muss dann erstmal ca. eine Stunde aufheizen. Danach geht es ans einmaischen und rasten. Gegen Vormittag oder Mittag wird geläutert. Anschließend wird die Würze gekocht und der Hopfen kommt dazu. Das folgende Ausschlagen mache ich per Hand. Mein Schwiegervater hat mir dafür ein Braupaddel aus Holz selber gebaut. Das ist mein „Fitnessstudio“! Für das Umpumpen habe ich aber eine elektrische Pumpe, das gebe ich zu. Alle anderen Schritte sind reinste Handarbeit. Jeden Tropfen Bier hatte ich mal in der Hand, das ist mir wichtig, um ein authentisches Produkt herzustellen. Gegen 16 Uhr ist das Brauen selbst dann abgeschlossen. Allerdings geht es dann noch ans Sauber machen. Ein großer Teil der Arbeit beim Brauen ist das Putzen, denn Bier ist ein sehr leicht angreifbares Lebensmittel. Hygiene spielt deshalb eine große Rolle. Sollte das Bier nämlich kippen, wird es ungenießbar und lässt sich nicht verkaufen. Dann wäre ein ganzer Arbeitstag umsonst gewesen.

Kannst du kurz das Angebot der Wachtelbräu vorstellen? Wo kann man dein Bier kaufen?


Kellerbier braue ich immer, das ist Standard. Dazu kommen noch saisonale Angebote und Specials. Beispielsweise hatte ich im vergangenen Jahr ein Stout Bier zum Saint Patrick’s Day (ein fränkisch gebrautes Stout ist einfach mega cool, das gibt es nächstes Jahr in jedem Fall wieder), einen Maibock (hell, lieblich, die Beste Art den Frühling zu begrüßen) und in der dunklen Jahreszeit auch einen dunklen Bock angeboten. Aber auch ein Weißbier braue ich immer mal wieder (wie ich lustig bin - übrigens nach wie vor nach dem gleichen Rezept wie zu Beginn mein allererstes Bier). Ich habe immer wieder „Ferz“ (Ideen), die ich dann ausprobiere. Dafür müssen dann meine „Versuchskaninchen“ aus Familie und Freunden herhalten. Die probieren und geben mir Feedback. Wenn das Bier taugt, darf es unters Volk und wenn nicht, dann hat mich mal wieder ein Versuch etwas klüger gemacht.  
Ausgeschenkt wird mein Bier aktuell exklusiv im Gasthof zum Goldenen Hirsch in Coburg. In einem Geschäft wird es nicht verkauft. Ich habe aber Stammkunden, die rufen mich an und bestellen im Voraus, wenn sie was brauchen. Durch private Feiern und den Gasthaus-Ausschank werden Leute durchs probieren auf mein Bier aufmerksam und so kommen immer wieder auch neue Kunden hinzu. Bei Bier ist Mund-zu-Mund Propaganda wirklich die beste Werbung und eine größere Menge würde ich derzeit auch gar nicht schaffen.

Du sprichst immer wieder von deinen „Ferz“. Was sind das denn für kreative Einfälle? Welche Kreation ist dir besonders in Erinnerung geblieben?


Selbstverständlich schaue ich, was andere machen, und probiere auch mal exotische Biere. So hatte ich kürzlich ein hawaiianisches Bier, welches mich begeistert hat. Das habe ich versucht selbst zu interpretieren und heraus kommt die „Itz-Welle“, ein fränkisches Bier mit Hawaii-Flair. Während meiner Zeit in der Schweiz habe ich einmal mit Hanf gebraut. Als Bier dürfte man das bei uns nicht bezeichnen, da es nicht dem Reinheitsgebot entsprach. Jetzt wo ich drüber nachdenke, sollte ich vielleicht mal prüfen, ob es einen Weg gibt, das bei uns auch herzustellen, denn das war nämlich eine erfolgreiche und ziemlich leckere Kreation.

 

Was war für dich die größte Schwierigkeit beim Gründen?


So wirkliche Schwierigkeiten hatte ich eigentlich nicht. Natürlich gibt es bestimmte Auflagen, die man erfüllen muss und die Amtsgänge sind manchmal etwas zäh. Die Anmeldung beim Zoll funktionierte aber beispielsweise problemfrei. So waren es dann auch eher die Renovierungsarbeiten im eigenen Stall, welche die Probleme machten. Da gab es durchaus kritische Blicke und in meinem Bekanntenkreis sagte man mir nicht nur einmal, dass ich das Ganze doch lieber bleiben lassen soll.  


Wie sehen deine Pläne für die Wachtelbräu aus? Möchtest du wachsen? Soll Personal eingestellt werden? Soll das Angebot vergrößert werden?


Es gibt immer „Ferz“, die man hat. Erstmal möchte ich aber bei einer Kapazität von 300 Litern bleiben. Ein guter Braufreund sagte mir kürzlich: „So wie du dich anhörst, bleibt es nicht dabei!“ Selbstverständlich gibt es den Wunsch sich immer weiter zu professionalisieren. Zeitgleich habe ich aber großen Respekt vor weiteren Investitionen und der Ungewissheit, ob sich diese dann auch bezahlt machen werden. Jetzt bin ich erstmal froh, dass sich die Brauerei in der heutigen Version selbst trägt. Deshalb wird es Erweiterungen nur nach und nach und im kleinen Maßstab geben. Den Traum einer kleinen „Heckenwirtschaft“ neben der Brauerei habe ich aber schon.

Ergotherapie im Gründerzentrum

„Liebe, was du tust, und sei offen für Neues“, das ist ein Leitsatz von Annika Welzig. Sie hat sich als Ergotherapeutin im Gründerzentrum in Rödental selbstständig gemacht. Die Praxis besteht aus vier großen Therapieräumen inklusive Werkstatt. Die zu betreuenden Personen können sich auf vielfältige Angebote, Geräte und Materialien -  individuell abgestimmt - freuen.

Kannst du kurz denjenigen, welche mit Ergotherapie nichts anfangen können, erklären, was ihr macht? Wo liegt der Unterschied zur Physiotherapie?


Die Ergotherapie ist sehr alltagsorientiert. Ziel ist immer eine größtmögliche Selbstständigkeit im Alltag zu erreichen. Das trifft sowohl auf Kinder als auch auf Erwachsene zu. In der Physiotherapie geht es eher um den funktionellen Bereich, also das Skelett und die Muskulatur.  Das Tätigkeitsfeld der Ergotherapie umfasst die Bereiche Neurologie, Orthopädie, Psychiatrie, Pädiatrie und Gerontologie. Wir decken also alle Altersklassen mit den unterschiedlichsten Krankheitsbildern und Symptomen ab. So ist unsere Arbeit sehr vielseitig. Es geht um Wiedereingliederung ins Berufsleben nach einem Unfall/Schlaganfall oder anderen Erkrankungen, genauso wie um die Alltagsbewältigung mit beispielsweise Burnout/Depression etc. Wir bieten auch Hirnleistungstraining an und fördern Kinder mit körperlichen oder geistigen Entwicklungsstörungen. Oberstes Ziel ist es immer eine größtmögliche Selbstständigkeit im Alltag zu erwirken unter Berücksichtigung der eigenen Ressourcen und Fähigkeiten. Ein wichtiger Bestandteil der Therapie ist auch immer wieder eine Überprüfung der festgesetzten Ziele.  Wir bleiben mit den Betreuungseinrichtungen/Eltern in ständigem Austausch, da das Umfeld/die Angehörigen einen wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung bzw. die Genesung hat/haben.

Der Ort der Gründung steckt bereits im Namen deiner Firma. Wie bist du hier gelandet und wie passt eine Ergotherapie-Praxis in ein Areal, wo überwiegend digitale Startups angesiedelt sind?


Durch persönliche Kontakte bekam ich die Möglichkeit, die Räumlichkeiten auf dem ehemaligen Goebel Gelände zu besichtigen. Direkt mit dem Eigentümer, mit Wolfgang Schulze, konnte ich meine individuellen Vorstellungen einer möglichen Praxis besprechen. Da ich positive Rückmeldungen auf meine Ideen erhielt, entschied ich mich schließlich den Schritt in die Selbstständigkeit zu gehen. Die Familie Schulze hat mich bei der Realisierung der Praxis sehr unterstützt. Ich wurde in die Planung bzw. Gestaltung der Räume mit einbezogen, was für mich ein großer Vorteil war. Die Räume befanden sich damals noch im Rohbau und so bekam ich die Möglichkeit vom Boden bis zur Beleuchtung mitzuentscheiden. Der Standort im Gründerzentrum ermöglichte es mir direkt verschiedene Kontakte zu knüpfen, welche ich sodann auch gleich in der Startphase nutzen konnte. Egal ob Logo, Flyer, Beklebungen oder Elektroinstallationen, für alles gab es gleich Experten nebenan. Die Gesundheitsbranche im Allgemeinen ist in Sachen Digitalisierung ja leider immer noch ziemlich hinterher, wir faxen ja noch (lacht). Doch ich wollte dennoch ein digitales Büro und eine moderne Arbeitswelt schaffen und auch hierfür habe ich hier schnell einen Partner gefunden. Ich persönlich konnte also bereits mehrfach von dem Standort profitieren, um aber noch einmal auf die Frage einzugehen, wie die Praxis zum Startup-Umfeld passt: Ergotherapie wird immer gebraucht, wir behandeln Menschen aus allen Altersklassen und allen Branchen und somit passt eine junge und moderne Praxis ebenso gut zu dem Gelände, wie jede andere Neugründung.

Wie kam es, dass du deine eigene Praxis eröffnet hast? Hattest du den Wunsch nach einer Selbstständigkeit bereits nach der Ausbildung zur Ergotherapeutin oder kam das erst mit der Berufserfahrung?


Eine eigene Praxis zu eröffnen hatte ich eigentlich nie vor. Die Ausbildung zur Ergotherapeutin war meine erste Lehre. Danach habe ich viel erlebt. Ich war im Ausland und habe nicht nur als Ergotherapeutin gearbeitet. Beispielsweise habe ich nach einer längeren Beschäftigung in einem Klinikum umgeschult zur Versicherungs- und Finanzanlagenfachfrau, was ja ein kompletter Branchenwechsel für mich war. Irgendwann trieb es mich dann aber zurück ins Gesundheitswesen. Ausschlaggebend in meinen ursprünglichen Beruf zurückzukehren war meine spätere Chefin in einer Praxis für Ergotherapie. Sie wurde zu einer Art Mentorin für mich und hat das Feuer für meinen Beruf der Ergotherapeutin neu entfacht. Ich lernte neue Ansätze, neue Methoden und merkte, dass es doch auch „anders“ geht und die Leidenschaft kam zurück. Als für die Praxis die Nachfolgefrage anstand, war ich dann das erste Mal mit der Überlegung Selbstständigkeit konfrontiert, doch ich fühlte mich irgendwie noch nicht bereit dafür und so orientierte ich mich zunächst neu. Deshalb ging es nach Coburg. Hier erhielt ich gute Beschäftigungsangebote doch gleichzeitig fügten sich auch verschiedene Entwicklungen aneinander, sodass daraus dann die eigene Praxiseröffnung resultierte.

Du bist gerade noch im Aufbau deines Unternehmens. Mit welchen Schwierigkeiten hast du zu kämpfen (gehabt) und was sind die ersten Erfolge?


Es ist für mich aktuell eine Herausforderung, das große Ganze im Blick zu haben, also die Praxis in ihrer Gesamtheit. Wobei wir langsam Routine bekommen und „ankommen“.  Natürlich geht es in erster Linie um die Arbeit mit den Patientinnen und Patienten und darum Behandlungserfolge zu erzielen. Als Unternehmerin muss ich mich aber auch um meine Beschäftigten, um die Büro-Organisation und um alles kümmern, was auch bei allen anderen Unternehmerinnen und Unternehmern zum Arbeitsalltag gehört. Marketing, Buchhaltung und das Ganze verbunden mit einer Prise Bürokratie, welche es speziell im Gesundheitswesen gibt (lacht). Einerseits bin ich ja selbstständig, andererseits bin ich feste Kooperationen eingegangen. Die besondere Herausforderung liegt darin, dass es hierbei jeweils unterschiedliche Anforderungen gibt. Eine Entbürokratisierung wäre wirklich schön, ist aber vermutlich Wunschdenken. Meine ersten Erfolge sind definitiv genau diese Kooperationen, das gibt mir schon Sicherheit. Außerdem ist mein Team ein Riesenerfolg. Wir haben bereits zusammengearbeitet und können uns aufeinander verlassen, was Gold wert ist.

Wie sieht deine Vision aus? Wo siehst du dich in fünf Jahren und wie wird da vielleicht deine Praxis aussehen?


Aktuell sind wir zu dritt. Zwei Therapeutinnen und eine Bürounterstützung. Nächstes Jahr wird eine weitere Kollegin, welche ich bereits aus meiner Zeit in Bamberg kenne, mit in mein Team kommen. Der Plan für die nächsten Jahre sieht vor, dass wir irgendwann insgesamt vier Therapeutinnen oder Therapeuten in Vollzeit in der Praxis sind. Ich bin allgemein offen für Neues und kann mir auch ergänzende Angebote in meinen Räumlichkeiten vorstellen. Ich hab mir in der Vergangenheit ein sehr gutes Netzwerk in der Ergotherapie mit vielen Ressourcen aufgebaut. Mal schauen also, was da noch so kommt. Zunächst werde ich einer anderen Gründerin, welche sich als psychologischer Coach selbstständig macht, eine Praxismitbenutzung ermöglichen.

Vielleicht ist es noch etwas früh, da du ja gerade selbst erst gegründet hast, aber hast du eine Empfehlung an andere Therapeuten (Ergo, Physio, Logo, ...), wann der richtige Zeitpunkt für eine Gründung gekommen ist?

 

Das spürst du, wenn’s soweit ist!

Musstest du auch schon Lehrgeld zahlen? Kannst du anderen Tipps geben, welche Fehler sich in der Gründungsphase vermeiden lassen?

 

Fehler sind für mich nichts negatives, denn sie sind notwendig, um daraus zu lernen. Ich selber bereue keine meiner Entscheidungen oder beruflichen Stationen. Aus allen konnte ich bisher immer etwas Gutes mitnehmen, mich selbst stärken und weiterentwickeln. Somit wäre es fatal anderen zu raten keine Fehler zu machen, denn sonst gibt es auch keinen Lerneffekt.

Grafikgold

"Individuelles Grafikdesign mit viel Herzblut", dass ist das Versprechend von Grafikgold. Die Unternehmerin Jessica Höhn entwickelt kreative Konzepte und gestaltet zielgruppengerechte Designlösungen für Unternehmen. Ihre Kunden profitieren von ihren umfassenden Kenntnissen im Bereich Grafikdesign und durch Ihre bereits über zehnjährige Erfahrung in dieser Branche.

Was hat Sie dazu bewogen, sich selbstständig zu machen?

 

Nach meiner langjährigen Zeit bei der HABA FAMILYGROUP (ehemals HABA-Firmenfamilie), in der ich auch meine Ausbildung zur Mediengestalterin mit der Fachrichtung Gestaltung und Technik sehr erfolgreich absolviert habe, ist der Wunsch eigene Kunden grafisch zu betreuen immer größer geworden. Schon in sehr jungen Jahren konnte ich mir vorstellen, ein eigenes Geschäft oder einen Laden zu haben. Mich fasziniert es, für die unterschiedlichsten Bereiche und Branchen das best möglichste, visuelle Erscheinungsbild eines Unternehmens oder einer Marke gestalterisch herauszuarbeiten. So stand der Gründung meines eigenen Grafik-
und Designbüros mit dem passenden Namen „Grafikgold“ nicht viel im Wege.

 

Wie liefen die Gründungsvorbereitungen ab?

 

Ich habe mich bereits Anfang 2020, zunächst im Nebenerwerb, in die Selbstständigkeit gewagt. Trotz anfänglicher Bedenken bezüglich der Corona-Krise, konnte ich in den letzten beiden Jahren viel Networking betreiben und einige spannende Kundenprojekte erfolgreich abwickeln. Diese zwei Jahre habe ich mir selbst als kleine „Testphase“ gegeben, um herauszufinden, ob meine Arbeit bei den Kunden ankommt. Durch diese wertvolle Anfangszeit mit einem anderen festen Teilzeit-Job als Sicherheits-Backup, konnte ich viele unternehmerische Kompetenzen und Erfahrungen sammeln.Diese führten dazu, dass ich genau zwei Jahre später meinen Plan, in die hauptberufliche Selbstständigkeit zu gehen, erfolgreich umsetzen konnte.

Was zeichnet Grafikgold aus?

 

Mein Ziel ist es, zum wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen und deren attraktivem Erscheinungsbild beizutragen. Ein ausdrucksstarkes Außenbild ist für viele Unternehmen von großer Bedeutung. Jedes Unternehmen möchte sich einzigartig darstellen und sich von der Konkurrenz abheben. Dabei haben Unternehmen, die in Werbung investieren noch weitere Ziele im Blick, wie z.B. die Erhöhung des Bekanntheitsgrades, die Gewinnung von Neukunden, Markenentwicklung, usw. Um diese Werbeziele zu erreichen, ist eine stimmige und professionelle Konzeption Voraussetzung. Dabei ist es wichtig, die Aufmerksamkeit der eigentlichen Zielgruppe zu bekommen und in deren Köpfen zu bleiben. Zwei meiner größten Stärken sind meine Empathie und das branchenunabhängige Feingefühl für die jeweilige Zielgruppe des Unter nehmens sowie mein ausgeprägtes Gespür für Design und Ästhetik.

 

Wer sind Ihre Kunden?

 

Ich möchte mit meiner Dienstleistung gezielt Unternehmen ansprechen, die viel Wert auf ein hochwertiges Erscheinungsbild und eine stimmige Außenwirkung legen. Dies können Firmen jeder Branche und Größe sein, welche die Qualität und auch den unternehmerischen Wert von hochwertigem Grafikdesign zu schätzen wissen und darin investieren wollen, um gezielt die eigene Zielgruppe anzusprechen. Für Werbeagenturen stehe ich als Freelancerin direkt vor Ort oder remote zur Verfügung. Darüber hinaus biete ich Kunden aus dem privaten Sektor die Gestaltung von individuellen und einzigartigen Konzepten für Festlichkeiten, wie z.B. Hochzeiten, Taufen oder runde Geburtstage an.

 

Ihr Rat an angehende Unternehmer*innen?

 

Zunächst einmal sollte man vorrangig an sich selbst und sein eigenes Können glauben. Erst wenn man sich hier sehr sicher ist, sollte man sich bei den entsprechenden Stellen gut informieren, ob man die nötigen Voraussetzungen und Kompetenzen mitbringt, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen.

 

WELL, FIT & GESUND

Menschen glücklich machen - dafür brennt Daniela Wegner-Laub! Die ausgebildete Masseurin ist nicht nur Massagespezialistin, Schmerztherapeutin und Coach für gesunde Ernährung, sondern sie ist, neben vielen weiteren Zusatzqualifikationen, auch ausgebildete Top-Speakerin! Die Powerfrau, welche gebürtig aus Eisenach kommt, sprüht vor Energie und Ideen und ist bereits seit 2006 selbstständig! Seit diesem Jahr bereichert sie nun Bad Rodach mit ihrer neuen Praxis well, fit & gesund sowie mit einem in Franken bisher einzigartigen Abnehm-Konzept. Wie die vielen Aktivitäten von Daniela in einem ganzheitlichen Konzept zusammengeführt werden und was die Gründerin antreibt und motiviert, berichtet sie im Interview.  

Daniela, du bist bereits seit 2006 selbstständig und somit eine erfahrene Unternehmerin. Gib uns einen kurzen Einblick in dein Business.


Nach meiner Ausbildung zur Masseurin und medizinischen Bademeisterin bildete ich mich laufend fort. Fußreflexzonenmassage, Behandlungen nach Dorn-Breuß und manuelle Lymphdrainage - um zunächst ein paar eher klassische Weiterbildungen zu nennen. 2006 startete ich dann in die Selbstständigkeit und eröffnete eine Praxis in Bad Rodach. Die ersten fünf Jahre in meiner noch jungen Karriere als Unternehmerin arbeitete ich mit einer Kassenzulassung. Doch damit war ich unzufrieden, da ich den Patienten nicht in dem Umfang helfen konnte, wie ich gewollt hätte. Ich konnte mein Potential nicht voll ausschöpfen. Natürlich bekommt man mit einer ärztlichen Verordnung leichter neue Kunden, doch das erfüllte mich nicht. Da ich mir in dieser Phase bereits schon einen Privat-Kundenstamm aufgebaut hatte, entschied ich mich zu einem Ausstieg aus dem Krankenkassensystem.


Du entwickelst dich und dein Geschäft laufend fort. Wie ging es ab da weiter?


Wir richteten in unserem Wohnhaus eine kleine Praxis ein und ich zog mit meinem Unternehmen von Bad Rodach nach Heldritt. Seit 2011 arbeite ich nur noch mit selbstzahlenden Patienten. Das war zu Beginn natürlich ein gewisses Risiko, ich habe den Schritt aber keinesfalls bereut. Es folgten viele weitere Fortbildungen von Motivationstraining über Health Development für Firmen bis hin zum Coach für Gewichtsreduktion. 2018 bündelte ich schließlich mein ganzes erworbenes Wissen in meiner patentierten DAWELA® Methode.

Du hast dir dein Konzept patentieren lassen? Wie kam es dazu und was ist das Besondere daran?


Der Begriff Massage ist sehr in den Wellness-Sektor abgedriftet. Aus meiner Sicht hat dieser, in den letzten Jahren stark gewachsene Bereich, die professionelle Massagetherapie geradezu verschluckt. Ich wollte deshalb einen neuen Namen in die Welt setzen und die Massagetherapie damit wieder ins Bewusstsein der Patienten rücken. Der Grundgedanke war nicht weniger als eine „Massagerevolution“ (lacht)! Außerdem verfolge ich, als Schmerztherapeutin, mit meinem eigenen Konzept einen ganzheitlichen Ansatz.  


Was kann sich der medizinische Laie unter „ganzheitlich“ vorstellen?


Bei einem ganzheitlichen Ansatz betrachtet man den Menschen mit all seinen Facetten. Der Patient kommt mit Schmerzen. Diese sind aber oft nur ein Symptom, der Auslöser sitzt häufig ganz wo anders. Ich beschäftige mich also nicht nur mit dem Körper, sondern auch mit Emotionen, der Psyche, der Seele und den Befindlichkeiten. Kurz gesagt: Die DAWELA® Methode ist eine Coaching-Therapie, welche eine Transformation für den Kunden bedeutet! Schmerzfrei und glücklich sein, das ist das Ziel! 

Wo liegt jetzt aber genau der Unterschied zu klassischen Herangehensweisen?


In der klassischen Behandlung kommt der Kunde beispielsweise mit Schmerzen und Verspannungen zu einem Therapeuten. Es folgen Massage und Übungen zur Steigerung der Beweglichkeit. Das wirkt schmerzlindernd und tut dem Patienten gut. Diesen Teil der Behandlung mache ich auch, doch zugleich auch noch viel mehr. Denn oftmals wird sonst die eigentliche Ursache der Schmerzen nicht behoben und sie kommen schnell wieder. Ich nehme mir deshalb Zeit für eine ausführliche Anamnese und zwar nicht nur vom Körper, sondern vom ganzen Menschen. Ich tauche ein in Erlebtes, hinterfrage Verhaltensmuster und ergründe die Psyche. So finde ich die Weichen, welche gestellt werden müssen, um eine Veränderung herbeizuführen. Kombiniert mit Energiearbeit und Techniken aus der Schmerztherapie ergibt das die DAWELA® Methode.   

Du bist auch als Speakerin unterwegs, stehst vor Publikum und hältst Vorträge. Was reizt dich daran und wo ist die Verbindung zu deiner eigentlichen Tätigkeit?


Das hat sich tatsächlich eher zufällig entwickelt (lacht). Begonnen hat alles mit kostenfreien Online-Kursen, welche ich für Frauen gegeben habe. Es ging ums Wohlfühlen, um mehr Power und auch ums Abnehmen. Die Kurse waren sehr gut besucht. In sechs Challenges erreichte ich insgesamt 2000 Frauen und ich erhielt danach extrem viel positives Feedback der Teilnehmerinnen. Das ermutigte mich damit weiter zu machen. Als Jugendliche hatte ich selbst eher Probleme damit, vor Menschen zu sprechen und so triggerten mich die Rückmeldungen dahingehend, es mir selbst zu beweisen und vor Menschen auf die Bühne zu gehen. Ich machte eine Ausbildung zur Top-Speakerin bei Hermann Scherer und starte als Lady BiN (Brust is NICE). Ganz nebenbei kam dabei auch noch Speaker-Slam Weltmeistertitel heraus. Die Gesundheitsthemen haben mich also ursprünglich zum Speaking gebracht und jetzt spreche und coache ich beispielsweise zu gesundem Verhalten und zu selbstbewusstem Auftreten. 

"Mut hat mich voran getrieben - der Rest ist Fleiß!"

2022 kam es zu einer neuen Gründung und du bündelst alle deine Aktivitäten in einer größeren Praxis. Was ist neu?


Im Januar ging mein neues Betätigungsfeld „Abnehmen im Liegen“ an den Start und mein Unternehmen Well, Fit & Gesund besteht seitdem aus drei Säulen. Die Technik stammt aus Österreich und das Konzept ist aktuell das am schnellsten wachsende Beauty-Business am Markt. Ich konnte mir die Lizenz für die Achse Bad-Rodach – Coburg sichern und kann damit als Erste in Franken die revolutionäre Technologie anbieten. Ziel von „Abnehmen im Liegen“ ist es, die Menschen, welche sich nicht wohlfühlen mit ihrem Körper, gezielt zu unterstützen. Neben der eigentlichen Technik kommen als weitere Tools Ernährungstipps und Sportübungen zum Einsatz. Es ist also wieder ein ganzheitliches System, welches mich insbesondere deshalb angesprochen hat, weil es nicht nur um Ästhetik, sondern auch um den Gesundheitsaspekt geht. Mit der Technologie lässt sich nämlich auch Menschen helfen, die krankhafte Fettanlagerungen haben, wie zum Beispiel Lipödem oder Lipolymphödem und denen als Alternative sonst nur eine Operation geblieben wäre. Das Verfahren ist sanft, schmerzfrei und funktioniert mit ungefährlichem Ultraschall und EMS. Damit dieses Geschäftsfeld wachsen kann und ich gleichzeitig auch ausreichend Platz für alle anderen Aktivitäten von mir unter einem Dach habe, habe ich mich zu einer „Rückkehr“ nach Bad Rodach und der Eröffnung einer ausreichend großen Praxis entschieden.

Warum hast du dich zu dieser Erweiterung entschlossen und wie sieht deine Vision aus?


16 Jahre lang war ich nun mehr oder weniger Einzelkämpferin. Zum einen wurde es Zeit für einen Wachstumsschritt und zum anderen habe ich mir auch selbst die Frage gestellt, wie lange schaffe ich eigentlich meine körperlich anstrengende Arbeit und was passiert, wenn ich selbst mal ausfalle? In die Überlegungen spielten also auch persönliche Ängste mit rein. Bisher ist das ganze Wissen, welches ich mir erarbeitet habe, alleine bei mir. Die Erweiterung sollte also unabhängig von meinem persönlichen Einsatz und zudem ohne eine langjährige Spezialausbildung möglich sein. Da bin ich auf „Abnehmen im Liegen“ aufmerksam geworden, welches die Möglichkeit bietet, „ohne mich“ zu wachsen. Mein neues Geschäftsfeld ist erst seit vier Monaten am Markt und ich konnte bereits jetzt schon ein zweites Gerät anschaffen, da die Buchungsanfragen so positiv waren. Außerdem habe ich Unterstützung bekommen und eine Kollegin angelernt. Im Juni, allerspätestens Juli, wird es dann einen zweiten Standort in Coburg geben. Dieser wird nicht beschränkt sein auf „Abnehmen im Liegen“, sondern es wird wieder eine Kombination mit ganzheitlichen Massagebehandlungen angeboten. Meine Vision für „Abnehmen im Liegen“ ist Niederlassungen bis in die Fränkische Schweiz zu eröffnen. Darüber hinaus möchte ich meine DAWELA® Methode in die Welt tragen und zukünftig verstärkt andere Therapeuten nach meinem ganzheitlichen Ansatz schulen. Last but not least schlummert in meiner Ideenkiste auch noch ein Consulting-Angebot für Gesundheitsanbieter. Aber eins nach dem anderen (lacht).

Was motiviert dich als Unternehmerin?


Menschen mit schnellen Resultaten glücklich zu machen, das ist meine Motivation! Positives Feedback ist Bezahlung für meine Seele. Ich kann mir keine andere Arbeit vorstellen.


In deinen Vorträgen und Workshops als Lady BiN geht es zum Beispiel um das richtige Mindset, um Zeitmanagement und auch um die persönliche Gesundheit. Gerade Selbstständigen sagt man ja oft nach, dass sie selbst ständig arbeiten! Wie also schafft man den Spagat zwischen erfolgreichem Unternehmertum und Work-Life-Balance?


Eine gute und wichtige Frage! Gerade in der Anfangsphase einer Gründung macht man in der Regel vieles, wenn nicht sogar alles, selbst. Die Waage liegt ganz klar mehr bei Arbeit und von Balance kann keine Rede sein. Behält man das so bei, geht es irgendwann schief! Deshalb ist es extrem wichtig, sich Kraftorte zu suchen, welche es einem ermöglichen, seine Akkus auch schnell wieder aufzuladen. Wo solche Kraftorte sein können, ist für jeden Menschen anders. Bei mir ist es zum Beispiel der Wald. Hier kann ich in wenigen Stunden so viel Kraft tanken, wofür andere vielleicht eine Woche Urlaub benötigen. Und was bei meiner täglichen Arbeit niemals fehlen darf, ist der Humor. Bei mir geht keiner raus, welcher nicht mindestens einmal mit mir zusammen gelacht hat.

Marketingkomplizen

Viel zu häufig wird Marketing nur aus dem Bauch heraus gemacht. Maßnahmen verpuffen, Geld wird verschwendet und Energie geht verloren. Ausgehend von einer Idee schmieden die Marketingkomplizen zusammen mit ihren Kunden einen Plan und setzen diesen in die Tat um. Planen, befähigen und umsetzen, so lautet der Dreischritt von Cindy Maaser. Wie sich das junge Unternehmen aus Neustadt bei Coburg von anderen Anbietern unterscheidet und warum es sich nicht um eine Fullservice-Agentur handelt berichtet die Gründerin im Interview.

Frau Maaser, die „Komplizenschaft“ kennt man aus dem Strafrecht und bedeutet Mittäterschaft. Dort definiert sich diese als Dreischritt von der Entschlussfassung, Planung und Durchführung einer kriminellen Tat. Können Sie – ausgehend von dieser Definition – einen Bogen spannen zu Ihrem Business?


Das ist genau das, was ich mache – lacht – nur ohne die kriminelle Tat! Planen, befähigen und umsetzen, so lautet mein Dreischritt! Zunächst gehe ich intensiv mit meinen Kunden in einen Workshop. Wir erarbeiten, wie wir die Marke aufbauen, wie wir sie positionieren wollen, entwickeln eine Geschichte und definieren die Zielgruppe. Am Ende des Tages entsteht dann ein Marketingplan. Im nächsten Schritt versuche ich meine Kunden zu befähigen, diesen selbst in die Tat umzusetzen. Ich zeige ihnen, wie es geht. Hilfe zur Selbsthilfe ist da das Stichwort. Letzter Schritt ist dann die konsequente Umsetzung, bei der ich auch unterstütze. Beispielsweise beauftrage ich einen Grafiker, welcher ein Briefing bekommt und der dann das Erarbeitete gestalterisch umsetzt.

Wie kam es zur Wortwahl „Komplize“?


Für mich ist der Name einfach dynamisch und bedeutet so viel wie „ich stehe partnerschaftlich an deiner Seite“ und „wir machen das zusammen“. Bei allen, denen ich im Vorfeld davon erzählt hatte, sah ich sofort ein Lächeln im Gesicht und bekam als Feedback „das passt zu dir“.

 

Wer ist alles „Mittäter“ bei den Marketingkomplizen?


Ich bin soloselbstständig. Das bedeutet aber nicht, dass ich Einzelkämpferin bin. Da ich bereits seit vielen Jahren in der Branche arbeite, habe ich ein großes Netzwerk. Beispielsweise kooperiere ich mit Agenturen in Schweinfurt, Kulmbach, Coburg oder auch München. Viele Agenturen haben sehr gute Kompetenzen im Bereich Gestaltung, häufig fehlt aber der konzeptionelle Part. Da komme ich ins Spiel, werde bei Neukunden vorgeschaltet, und entwerfe einen Marketingplan. Beauftragen Kunden hingegen direkt mich, so hole ich wiederum nach der Konzeption Andere mit an Bord und vermittle Fachleute für die operative Umsetzung. So bereichert sich das Netzwerk gegenseitig, jeder profitiert davon und der Kunde erhält das bestmögliche Ergebnis.

Wie kam es zur Gründung? Bietet die Selbstständigkeit, gerade in einem kreativen Beruf, mehr Freiheiten?


Auslöser für die Selbstständigkeit war eine strukturierte und begleitete Selbstreflektion. Ich habe mir fünf Wochen Zeit genommen, um für mich herauszufinden „was kann ich“ und „was will ich“. Ein Ergebnis war, dass ich eigentlich permanent gegen meine eigene Motivation gearbeitet habe. Meine Stärken liegen im „Leute befähigen“ und „Wissen teilen“. Diese Kompetenz konnte ich in meinem letzten Arbeitsverhältnis aber nur bedingt einbringen. Folglich fasste ich den Entschluss, mir etwas anderes zu suchen. Da sich die Stellenbeschreibungen bei vielen anderen Arbeitgebern aber ähnlich der meiner letzten lasen, war schnell klar, dass es diesmal die Selbstständigkeit wird. Auf die Frage zu den Freiheiten möchte ich mit einem klaren „Jein“ antworten. Ich hatte in Anstellung schon auch meine kreativen Möglichkeiten, allerdings genieße ich jetzt, dass ich flexibel in meiner Zeiteinteilung bin. Nachts arbeiten, mittags eine längere Pause, alles möglich und ganz wie ich will. Außerdem kann ich mir meine Kunden selbst aussuchen. Passt eine Dienstleistung, ein Produkt oder auch ein Kunde nicht zu mir, so kann ich den Auftrag einfach ablehnen.

Wie unterscheiden sich die Marketingkomplizen von anderen Agenturen? Was ist der USP?


Viel zu häufig wird Marketing nur aus dem Bauch heraus gemacht. Oder auf Zuruf, wenn gerade mal wieder ein Angebot ins Haus kommt oder sich ein Verkäufer meldet. In vielen Unternehmen gibt es niemanden, der sich explizit ums Marketing kümmert, da man „dafür keine Zeit hat“. So wird Marketing zur planlosen Nebentätigkeit, Maßnahmen verpuffen, Geld wird verschwendet und Energie geht verloren. Ich sehe die Marketingkomplizen nicht als Fullservice Agentur, sondern als Partner zur Konzepterstellung. Hier liegt meine Stärke. Diese konzeptionelle Arbeit, die Erstellung des Marketingplans, kostet zwar kurzfristig den Kunden extra Geld, mittelfristig spart er sich dieses aber mehrfach wieder ein. Die Planung schafft Klarheit über den Kundenwunsch und der künftige Aufwand für die operative Umsetzung reduziert sich enorm.


Der große Unterschied zu anderen Agenturen ist, dass ich versuche meine Kunden zu befähigen, den Marketingplan selbst umzusetzen und bin selbst kaum operativ tätig, obgleich ich Mediengestaltung auch gelernt habe. Mein Ansatz ist hier aber ein anderer. Lediglich im Online-Marketing übernehme ich selbst Aufgaben. Durch meine langjährigen Erfahrungen mit beispielsweise google ads und google analytics bin ich gerade im Bereich Suchmaschinenmarketing Expertin. Aber auch hier ist es das Ziel, den Kunden zu zeigen wie es geht, um dann die Arbeit selbst machen zu können.

Wenn Sie an die derzeitige Medienlandschaft denken, haben Sie eine Lieblingskampagne?


Nein. Globale Kampagnen, welche alle Menschen erreichen, gibt es auch eigentlich gar nicht mehr. Werbemaßnahmen werden heute vielmehr spitz auf die Zielgruppe zugeschnitten. Der Kunde schaut sich online Bewertungen an und liest Rezensionen. Die Kundenansprache wird immer persönlicher und dabei geht es vor allem um die Vermittlung von Emotionen. Mit breit ausgerollten Kampagnen ist das kaum noch möglich. Aus meiner Sicht ist deshalb auch TV Werbung „tot“. Die Menschen blenden diese komplett aus. Auch eine Werbung rein über den Preis funktioniert nur noch bedingt, da Angebote vergleichbar geworden sind. Vielmehr geht es heute um Vertrauen und auch um die Frage, wer hinter einem Produkt steht.


Gibt es „no gos“ im Marketing oder macht es manchmal auch Sinn gezielt zu „zündeln“? Gelegentlich wird eine Rüge durch den Deutschen Werberat ja auch als Auszeichnung gesehen.


Ein absolutes no go ist für mich green washing, also dem Kunden vorzugaukeln, dass ein Produkt oder eine Dienstleistung ökologisch oder nachhaltig ist, obwohl es das nicht ist! Vom „zündeln“ oder grenzwertiger Werbung würde ich abraten! Kurzfristig spricht man zwar über negative Kampagnen, mittelfristig bleibt aber das Negative hängen! Ähnlich verhält es sich bei Werbekampagnen, welche mit Ängsten spielen. Ich möchte ein Beispiel aus der Versicherungsbranche bringen. Es macht einen großen Unterschied in der Kundenwahrnehmung, ob ich als Versicherer auftrete, welcher sich in Werbespots mit einem Schild vor seine Kunden stellt oder ob ich für mich werbe, indem ich eine Szene zeige, bei welcher einem Autofahrer beim Türe öffnen diese abgefahren wird. Bei ersterem geht es um Schutz, Vertrauen und um eine positive Kundenbeziehung, bei zweitem wird mit der Angst und dem Ärger bei einem Autounfall gearbeitet. Diese Versicherung wird man deshalb zwangsläufig häufiger in Verbindung mit Unfällen bringen als die andere. Ich rate deshalb zu positiver Werbung.

Was sollte ein Unternehmen beachten, wenn es für sich, seine Produkte oder seine Dienstleistung werben möchte? Welchen Tipp haben Sie?


Ich möchte gerne gleich mehrere Tipps geben:


Ich höre immer wieder den Satz „ich muss doch keine Werbung machen, ich habe genug Arbeit.“ Das ist falsch! Es geht nicht nur darum, Produkte oder Dienstleistungen zu verkaufen, sondern mit gezieltem Marketing lässt sich auch ein positives Arbeitgeberimage aufbauen. Viele Betriebe suchen doch händeringend Fachkräfte oder auch einen Nachfolger, welcher den Betrieb übernimmt. Die jungen Leute können sich den Arbeitgeber heute frei aussuchen! Es gibt mehr Ausbildungsplätze als Bewerber. Deshalb muss man zeigen, dass man ein attraktiver Arbeitgeber ist, muss seine Türen aufmachen und an seinem Ruf und seinem Image arbeiten! Mit einer ordentlichen Positionierung wird alles andere einfacher! Wofür stehe ich? Warum gibt es mich? Was sind meine Werte? Wer das verstanden hat und entsprechend kommuniziert, wird sich nicht nur leichter tun, Personal zu finden, sondern wird auch vorhandenes Personal besser an sich binden, da die Mitarbeiter „stolz sind“ und merken, dass es „sich lohnt“ dort zu arbeiten.


Gleichzeitig führt ein gewisses Image aber auch dazu, dass man höhere Preise generieren kann. Hier möchte ich den Friseur als Beispiel anführen. In diesem Handwerk kann man mit niedrigen Preisen auf den Markt gehen. Dann ist man aber gezwungen, den Kunden möglichst schnell zu bedienen, um viele Kunden an einem Tag zu schaffen. Ergebnis ist dann, dass man den ganzen Tag arbeitet, jedoch zu nichts (anderem) kommt. Die Alternative ist am eigenen Image zu feilen. Wie ist meine Außenwirkung, welches Erlebnis vermittle ich? Wer es schafft, seine Dienstleistung als „Auszeit“ oder „Wohlfühl-Erlebnis“ zu verkaufen, wird einen besseren Preis erzielen. Dadurch bleibt nicht nur mehr Zeit für den einzelnen Kunden und für andere Tätigkeiten, auch das eigene Stresslevel reduziert sich. Ich möchte deshalb meinen Kunden dabei helfen, dass sie nicht mehr über Preise feilschen müssen, sondern die Menschen zu ihnen kommen, weil sie das möchten. Wohlwissend, dass Preisverhandlungen gar nicht so einfach sind, wie ich aktuell selbst feststellen muss. (lacht)


So wie viele Wege nach Rom führen – führen viele Wege zum Marketingerfolg. Es gibt die Umwege, Wanderwege, Lernpfade, Landstraßen und Autobahnen. Alle führen letztlich zum Ziel. Die Frage ist nur, wie schnell und wie teuer sie sind. Mit einer solide geplanten Route (einem Marketingplan) lassen sich Ressourcen zielgerichtet einsetzen und verbrannte Budgets vermeiden.

Onkel Toms Regional

Die früheren Tante-Emma-Läden sind nahezu alle verschwunden. Geblieben ist eine Versorgungslücke auf dem Land und teilweise große Wege zu den Direktvermarktern. So entstand die Idee von Thomas Kittel: Onkel Toms Regional. Zukünftig sollen seine Lebensmittelautomaten flächendeckend die Region Coburg mit regionalen Produkten versorgen. Und das rund um die Uhr!

Herr Kittel, Sie sind Ingenieur und waren 20 Jahre in der Industrie tätig. Jetzt haben Sie sich aufgemacht zu „neuen Ufern“. Warum der Wechsel in die Selbstständigkeit?


Angekommen in der Mitte des Berufslebens, habe ich mir die Frage gestellt, wie ich die zweite Hälfte verbringen möchte. 20 Jahre war ich weltweit unterwegs und überspitzt gesagt: überall und nirgends! Das war für mich und die Familie belastend und irgendwie nicht mehr zufriedenstellend. Ich wollte deshalb wieder mehr Zeit für meine Familie haben und auch in der Region arbeiten. Meine erste Konsequenz war ein Sabbatical, um mich selbst zu orientieren. Recht schnell kam da die Option einer Selbstständigkeit ins Spiel. Zunächst dachte ich an eine Tätigkeit als Berater, um meine gesammelten Kenntnisse und Erfahrungen weiter verwenden zu können, doch dann bin ich komplett umgeschwenkt. Ganz nach dem Motto: jetzt oder nie!

 

Wie kam es zu der Idee mit den Lebensmittelautomaten?


Als leidenschaftlicher Hobbykoch bin ich fasziniert von der großen Vielfalt der Angebote regionaler Hersteller. Ich fand es nur sehr mühsam, die tollen Produkte einzukaufen. Wochen- und Bauernmärkte sind nur einmal pro Woche, Hofläden liegen teilweise sehr weit auseinander und haben immer dann geschlossen, wenn ich etwas kaufen möchte. Außerdem gibt es gerade im ländlichen Raum kaum noch Einkaufsmöglichkeiten im Ort. Die früheren Tante-Emma-Läden sind nahezu alle verschwunden und so entstand als Alternative mein Konzept mit Lebensmittelautomaten: „Onkel Toms“. Ich wollte die guten Produkte aus der Region bündeln und dann zu den Menschen in der Region bringen. Erste Gespräche mit Familie, Freunden, potentiellen Partnern und Beratern verliefen positiv und die Idee fand von allen Seiten Zuspruch. So war letztendlich der Entschluss schnell gefasst und das Projekt nahm Fahrt auf.

Wie verlief der Start und wie werden die Automaten an den mittlerweile fünf Standorten angenommen?


Der Start verlief durchweg positiv. Die ersten Automaten wurden in Unterwohlsbach und Blumenrod (Stadt Rödental) aufgestellt. Die Neugierde der Menschen war schnell geweckt und so waren die Automaten bereits Dorf- und Facebook-Ortsgruppen-Gespräch, bevor ich selbst überhaupt mit einer ersten Werbung begonnen hatte. Mit der Stadt Rödental habe ich von vornherein eine Pilotphase bis in das Frühjahr 2022 vereinbart. Ich möchte schauen, wie die Automaten angenommen werden und ob die Standorte tatsächlich geeignet sind. Generell gilt das für alle Standorte. Das ist ja das Schöne am Konzept. Automaten und auch die Verkaufshütten können jederzeit umziehen.

 

Nach wie vor befindet sich das Unternehmen in der Anlaufphase und das Stimmungsbild ist durchaus unterschiedlich. Es liegt in der Natur der Sache, dass die Automaten an Durchgangsstraßen besser frequentiert sind als solche, welche erst gefunden werden müssen. Die zwei Automaten in der Gemeinde Meeder sind zudem nicht in den auffälligeren Verkaufshäuschen, sondern in Bestandsgebäuden. Einmal in der ehemaligen Sparkasse in Meeder und einmal im alten Backhaus von Großwalbur. Gerade diese Orte müssen bei der Bevölkerung im Ort erst noch richtig bekannt werden und hierfür laufen jetzt die nächsten Marketingmaßnahmen an. Spannend ist durchaus auch, dass sich die Nachfrage nach einzelnen Produkten von Ort zu Ort unterscheidet. An den Verkaufsstellen befinden sich jeweils QR Codes, über welche die Kunden selbst „Wünsche“ äußern können. Das wurde ebenfalls bereits gut genutzt und so werde ich baldmöglichst das Sortiment optimieren. Vor allem vegetarische und vegane Produkte stehen auf dem Wunschzettel und hier kann ich schon versprechen: die kommen bald!

Sind Sie auf Schwierigkeiten gestoßen, welche Sie nicht erwartet haben?


Richtige Schwierigkeiten eigentlich nicht. Gewisse Startschwierigkeiten gibt es immer. So musste zu Beginn hier und da bei der Bestückung noch nachjustiert werden, wenn z.B. ein Produkt bei der Ausgabe hängen geblieben ist. Das ließ sich aber alles recht schnell und einfach regeln und die betroffenen Kunden, welche sich bei mir gemeldet haben, erhielten eine Wiedergutmachung. Natürlich blieben auch klassische Anfängerfehler nicht aus. Zum Start der Automaten sollten die Fächer alle gut gefüllt sein. So habe ich das auch mit Grillfleisch gemacht. Im Monat Dezember gab es danach aber nicht wirklich eine nennenswerte Nachfrage und so erreichten die Produkte recht schnell das Ende des Mindesthaltbarkeitsdatums. Meine private Gefriertruhe ist deshalb jetzt gut gefüllt mit Fleisch und ich werde vermutlich im ganzen Jahr nicht mehr für einen Grillabend einkaufen müssen (lacht).

Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern? Oder braucht es gar keinen Unterschied und der Erfolg hängt vom Standort ab?


Grundsätzlich geht es immer um den Standort. Ein Automat kann noch so tolle Produkte enthalten, wenn man die Verkaufsstelle nicht sieht oder findet, wird man nichts verkaufen. Die bisherige Automatenlandschaft in der Region ist sehr heterogen. Es gibt Direktvermarkter und einige Metzgereien, die selbst auch Automaten betreiben. Da gibt es teilweise schon große Unterschiede in den Sortimenten. Mein Anspruch ist es, ausschließlich regionale Spezialitäten anzubieten. Außerdem versuche ich mit den Verkaufshütten und foliierten Automaten eine schöne und einladende Einkaufsatmosphäre mit Wiedererkennungswert zu schaffen. Zur Bezahlung gibt es bei Onkel Toms nur die Möglichkeit bargeldlos mit Kredit- oder EC-Karte. Dies gestaltet den Einkauf super einfach.

Welches ist ihr persönliches Lieblingsprodukt?


Im Sortiment sind nur Produkte, die ich auch selbst gut finde. Was ich aber am häufigsten esse, ist das Dinkel-Vollkornbrot. Der Renner im Verkauf ist aktuell der Schoko-Muffin!

 

Vermissen Sie die frühere Tätigkeit und was gefällt Ihnen am (neuen) Unternehmertum?


Ein vorhandener Organisationsgrad, eingespielte Teams und geregelte Abläufe - das fehlt natürlich schon etwas. Ebenso die finanzielle Absicherung, da muss man ehrlich sein! Aber die selbstständige Tätigkeit hat auch viele positive Seiten, wie kurze Entscheidungswege (lacht) und flexible Arbeitszeiten. Ich habe die Möglichkeit, eigenständig und nach meinen Vorstellungen zu gestalten, mich auszuprobieren und meine Ideen in die Tat umzusetzen!

Wo sehen Sie sich und Onkel Tom in fünf Jahren?


An vielen weiteren Standorten in Stadt und Landkreis Coburg! Aktuell bediene ich ja mit der Achse Rödental-Lautertal-Meeder nur einen kleinen Teil der Region, doch ich möchte meinen Fußabdruck, bzw. den von Onkel Toms, im gesamten Coburger Land hinterlassen. Bereits jetzt habe ich Anfragen von verschiedenen Gemeinden, die das Konzept in ihre Kommunen holen wollen und angefragt haben, ob ich dort nicht einen Automaten aufstellen möchte. Daher ist die nächste Ausbaustufe auch bereits in Vorbereitung. Doch nicht nur in der Fläche, auch im Sortiment möchte ich größer bzw. breiter werden. Aktuell befinden sich Produkte im Portfolio, welche von der Kundschaft direkt konsumiert werden können. Es gibt aber auch noch viele andere tolle regionale Produkte, die man zum Selberkochen verwenden kann, wie Linsen, Mehle, Öle, Kartoffeln oder auch Kaffee. Diese Lebensmittel passen jedoch aktuell nicht ganz in die Zusammenstellung des bisherigen Angebots. Außerdem hat der Automat auch nur einen begrenzten Platz. Deshalb soll es bald an einem Teststandort einen zweiten Automaten geben, der dann zusätzlich auch solche besonderen Produkte beinhaltet.

meinwoody - zukunft(s)pflanzen

Menschen interessieren sich wieder für Pflanzen und den Eigenanbau von Lebensmitteln. Der Verzicht auf Plastik trifft zudem voll den Zeitgeist. meinwoody ist Problemlöser, Entrepreneur und Green Startup. Ursprünglich bereits im Jahr 2011 gegründet, fertigt das Unternehmen heute in der ehemaligen „Blaufabrik“ in Grub am Forst sein eigens entwickeltes „Baum Pflanz Kit“, welches aus einem Pflanztopf aus nachwachsenden Rohstoffen, Terra Preta Erde und Baumsamen besteht. Thomas Gardeia ist einer der drei Gesellschafter und als Geschäftsführer im Unternehmen tätig. Im Interview gibt er einen Einblick in eine Unternehmung, zu der  ganz viel Idealismus gehört.

Herr Gardeia, Zukunft(s)pflanzen lautet der Untertitel im Logo von meinwoody. Was dürfen wir uns darunter vorstellen, was macht meinwoody?


Zukunft(s)pflanzen beschreibt es schon sehr treffend: Es geht darum, Menschen wieder näher an die Natur,   Pflanzen und Nachhaltigkeit heranzuführen. Die Ursprungsidee bei der Gründung 2011 war es, ein Pflanz-Kit auf den Markt zu bringen, das es jedem ermöglicht, ohne Vorkenntnisse einen Baum großzuziehen und diesen dann in der Natur anzupflanzen - das Ganze unter Vermeidung von Müll und unter Verwendung organischer Rohstoffe. Den Cradle-to-Cradle Ansatz verwirklichen wir unter anderem durch unseren eigens entwickelten biologisch abbaubaren Pflanztopf aus nachwachsenden Rohstoffen sowie den seit Neuestem aus Graspapier gefertigten Verpackungen.


meinwoody gibt es also bereits seit 2011. Sind Sie selbst einer der Gründer und welche Funktion und Aufgaben haben Sie?


Bei der Gründung war ich noch nicht dabei. Der Erstkontakt kam 2015 im Rahmen einer Auszeichnung bei den Kultur- und Kreativpiloten Deutschland zu Stande, eine durch die Bundesregierung vergebene Auszeichnung für Unternehmen der Kultur- und Kreativwirtschaft. Hier war sowohl meinwoody Preisträger als auch ich mit einem anderen Unternehmen. 2017 kam ich erstmals als externer Mitarbeiter mit an Bord. Das Unternehmen war zu diesem Zeitpunkt in einer schweren Krise. Durch einen vorausgegangenen Sabotage-Akt von Teilen der ehemaligen Gesellschaft wurde die Produktion der Pflanztöpfe, die damals noch in Österreich durch einen Partner starten sollte, unterminiert und hat schlussendlich zu einem Bruch der alten Gesellschaft geführt. Somit konnte meinwoody nicht wie seit 2014 initiiert die Produktion der eigens entwickelten Pflanztöpfe starten. Es entstand ein immenser Schaden und der Markteintritt konnte nicht wie geplant erfolgen. Durch meinen Eintritt in das Unternehmen konnte ich dem Gründer Rückendeckung geben und wir haben das Unternehmen mittels einer Auffanggesellschaft in eine neue Gesellschafterform übergeleitet. So konnten wir Grundsicherung für das bereits sechs Jahre bestehende Unternehmen betreiben und die Produktion durch einen zweiten Anlauf auf die Straße bringen.

Der Sitz des Unternehmens ist in der Blaufabrik in Grub am Forst. Wie viele Mitarbeitende gibt es und was wird dort alles gemacht?


Aktuell sind wir zu siebt. Im Frühling 2022 werden wir, so der Plan, zwei weitere Mitarbeiterinnen  einstellen. Regionalität spielt in unserer Philosophie eine wichtige Rolle, am Standort Grub am Forst kann diese auch gelebt werden. Wir sind sehr froh, dass wir hier Verwaltung, Entwicklung, Produktion und Logistik in der eigenen Hand haben. Die selbst entwickelten Pflanztöpfe aus nachwachsenden Rohstoffen werden von uns auf mittlerweile zwei Maschinen produziert. Die zweite Maschine ging erst kürzlich in Betrieb und wurde erforderlich, da wir ein neues Produkt, nämlich eine weitere Topfgröße, auf den Markt bringen wollten. Die Samen für unsere Baum Pflanz Kits kaufen wir zu. In Grub am Forst werden also alle Bauteile und Elemente produziert und zusammengeführt. In Kooperation mit einer österreichischen Baumschule beschaffen wir handgeerntete Baumsamen. Der Erhalt der hiesigen Biodiversität ist uns elementar wichtig, dazu dienen unsere Baumsamen, die diesen Zweck erfüllen.


Was reizte Sie so sehr an meinwoody, dass Sie in einer schwierigen Phase eingestiegen sind?


In erster Linie ging es mir um die Nachhaltigkeit, welche man in allen Bereichen des Unternehmens wiederfindet. Mit der Philosophie konnte ich mich zu 100 Prozent identifizieren. Bereits vor meinwoody hatte ich ein eigenes Unternehmen, auch hier ging es um Nachhaltigkeit. Bevor ich dieses gründete war ich als Vertriebler bei einem großen Verlag angestellt. Ich hatte eine sichere und gute Stelle, doch ich war mit dem wirtschaftlichen Leben der Gesellschaft insgesamt unzufrieden. Das klingt jetzt vielleicht sehr philosophisch, aber für mich war klar, dass ein Fast-Consumer-Ansatz nicht auf Dauer umsetzbar ist. Viele reden immer nur davon, dass man „etwas für die Umwelt machen müsste“, ich wollte von mir sagen „Ich hab es gemacht!“. Ich wollte den Gedanken umsetzen und mit dem Erfolg von meinwoody zu einer besseren Zukunft beitragen.

Was ist das Spannende am Unternehmertum?


Seit ich 2011 meine Festanstellung aufgab und mich in ein volatiles, nicht absehbares Feld bewegte, werde ich das immer wieder gefragt. „Warum hast du das gemacht?“ Hauptantrieb für mich war, wie eben schon erwähnt, die Unzufriedenheit mit dem wirtschaftlichen Leben unserer Gesellschaft im Allgemeinen. Meine persönliche Erkenntnis war, dass in der Natur nichts auf Dauer wächst. Nachhaltiges Wachstum ist kein endlos steiles Wachstum. Deshalb sollte auch die Wirtschaft nur in einem gesunden Maß wachsen und auf Mensch und Gesellschaft ausgerichtet sein und nicht allein aufs Kapital. Eine solche Philosophie lässt sich nur als Unternehmer verfolgen und bei meinwoody machen wir das aus tiefster Überzeugung.


Auf der Homepage von meinwoody liest man „on mission since 2011“. Kann man bisher von einer erfolgreichen Mission sprechen?


In jedem Fall kann man von Erfolg sprechen. Als wir 2019 mit der Produktion der eigens entwickelten Töpfe starteten, hatte uns eigentlich niemand zugetraut, dass wir das hinbekommen. Dazu muss man wissen, dass unsere Produktion eine Pionierleistung darstellt. Wir hatten keinerlei Wissen in dieser Sache und mussten alles selbst erfinden. Einen natürlichen Rohstoff (Hanffaser) maschinell und in Serienprozessen zu produzieren war bis dato nicht möglich und es gab auch niemanden, der uns dabei helfen konnte. Doch mit dem festen Willen, etwas noch nie Dagewesenes zu erreichen und nach vielen Versuchen haben wir den Produktionsprozess hinbekommen und immer weiter optimiert. Seitdem haben wir 2,5 Millionen Töpfe in Serie produziert. Bezogen auf den gesamten Topfmarkt ist das natürlich nur ein sehr kleiner Anteil, aber immerhin schon mal 2,5 Millionen Töpfe, welche nicht aus Plastik hergestellt werden mussten. Aber natürlich ist noch viel Luft nach oben (lacht)!

Das Thema Klimaschutz ist heute ganz anders präsent als noch vor 10 Jahren, nicht zuletzt seit Fridays for Future. Merken Sie die Trendwende in der öffentlichen Wahrnehmung auch in den eigenen Verkaufszahlen?


Im Endkundensegment auf jeden Fall. Unser eigener Online-Shop ist gut frequentiert. Anhand der Vornamen unserer Kunden, würde ich mutmaßen, dass es sich dabei überwiegend um eine jüngere Klientel handelt (lacht). Bei Firmenkunden, welche beispielsweise Präsente für Kunden oder Mitarbeitende suchen, verspüren wir eine zunehmende Offenheit für ökologische Produkte. Beim Handel verhält es sich (noch) anders. Zwar haben sich viele Handelsunternehmen die Themen Nachhaltigkeit und Umweltschutz auf die Fahnen geschrieben, doch wird hier auch viel Greenwashing betrieben. Da kann das Marketing noch so emotionale Spots kreieren, wenn das Controlling einschreitet schlägt Ökonomie die Ökologie. Und ich bin immer wieder überrascht, was wir da in Verhandlungen hören. Entweder wird argumentiert, dass der Kunde nicht bereit sei, den Mehrpreis zu zahlen – wir reden über Cent-Beträge bspw. bei einem Kräutertopf – oder man möchte von uns absurd viele Nachweise und Zertifikate sehen. Hingegen wird ein Pflanztopf aus Plastik von Handelsketten einfach palettenweise bestellt. Da fragt kein Einkäufer nach der Herkunft des Rohstoffs (Erdöl!). Soweit es uns möglich ist, erbringen wir die gewünschten Nachweise, doch das steht dann oftmals in keinerlei Verhältnis mehr zum Wert des Auftrags. Da merkt man dann, dass eigentlich gar kein Interesse da ist, etwas für den Umweltschutz zu unternehmen. Es gibt aber auch positive Beispiele, dass sich im Handel – langsam – etwas bewegt. So bietet beispielsweise eine Bio-Großhandelskette ihre Kräuter nur noch in unseren Pflanztöpfen an.

Die Mission ist also noch nicht zu Ende. Wo soll die Reise hingehen?


Nein, auf keinen Fall. Wir hoffen in erster Linie darauf, dass das ökologische Bewusstsein der Bevölkerung weiter zunimmt und dadurch auch der Handel seine Produkte einer geänderten Nachfrage anpasst. Wir möchten mit unserem Sortiment unseren Beitrag zu einer besseren Welt leisten und laden jeden dazu ein, mitzumachen. Wir werden weiterhin daran arbeiten, das Unternehmen zu globalisieren. Bereits jetzt haben wir Kunden aus der Schweiz, den Niederlanden, Österreich, den Arabischen Emiraten und den skandinavischen Ländern. Und - jetzt kommt auch bei uns mal das Stichwort Ökonomie - das Ganze natürlich im wirtschaftlich nachhaltigen Sinne, um somit einen stabilen und langfristigen Erfolg von meinwoody am Markt zu realisieren.


In Ihrem speziellen Fall waren Sie nun nicht Gründer der ersten Stunde, sondern sind erst zu einem späteren Zeitpunkt eingestiegen. Haben Sie einen Tipp, wie Menschen mit unternehmerischer Denkweise und Unternehmen, welche neue Impulse oder aber einen Nachfolger suchen, zusammenfinden?


Den einen perfekten Tipp kann ich leider nicht geben. An die Adresse derjenigen, die selbst Unternehmer werden möchten, würde ich zur Nutzung von Netzwerken raten. Ihr müsst gefunden werden können! Versteckt euch nicht! Potentielle Interessenten sollten im Idealfall von sich aus auf euch aufmerksam werden. Wer eine Idee hat und von dieser überzeugt ist, sollte sich und seiner Idee treu bleiben. Kompromisse sind in der Gründungsphase unerlässlich, sollten aber den Ursprung und das Fundament der Idee nicht beeinträchtigen. Es ist wichtig, überzeugt von dem zu sein, was man tut. Das kann man nur, wenn man einen ehrlichen Ansatz verfolgt und diesen auch lebt und umsetzt. Also etwas unternimmt! Es wird manchmal viel geredet und wenig gehandelt. Man sollte sich nicht zu sehr ablenken lassen und für seine Aufgabe einstehen.