Aktuelles



Bayerischer Anerkennungspreis für Coburger Designerin

Mit ihrem innovativen Holzspielzeug "Nini Amici" konnte Nina Renth die Jury beim Bayerischen Staatspreis für Nachwusdesigner überzeugen und gewinnt den mit 1.000 € dotierten Anerkennungspreis. Herzlichen Glückwunsch!

 

#Existenzgründung #Coburg #NinaRenth #NiniAmici #Dingwerkstatt #Design #Kreativität #Handwerk #GründerSalon #DieGuteStube #CoburgerDesignforumOberfranken #MadeInCoburg

Gamification im Einzelhandel gewinnt 1. Coburger Gründer:Pitch!

Im Rahmen des Gründertages "CO:Existenz - Der Tag für Gründer und Jungunternehmer im Coburger Land!" fand der 1. Coburger Gründer:Pitch statt, der auf Anhieb ein voller Erfolg wurde. Sechs Gründer aus dem Coburger Land präsentierten ihre innovativen Geschäfts- ideen einer Expertenjury und dem anwesenden Publikum. Von der Vermittlungsplattform für Schafe über einen individuell gestaltbaren Wand- flaschenöffner bis zur IT-Sicherheits-beratung wurden an diesem Abend interessante, kreative und neuartige Ideen vorgestellt, die das Potenzial der Coburger Gründerszene repräsentierten. Am meisten überzeugte die Jury und das Publikum die Idee des Gamifications im Einzelhandel von Markus Hülß. Mit der Idee die Prinzipien von Videospielen im Einzelhandel einzusetzen und somit Kundenbindung und Umsatz zu erhöhen, sahen die Anwesenden das größte Potenzial für die Zukunft.


WELL, FIT & GESUND

Menschen glücklich machen - dafür brennt Daniela Wegner-Laub! Die ausgebildete Masseurin ist nicht nur Massagespezialistin, Schmerztherapeutin und Coach für gesunde Ernährung, sondern sie ist, neben vielen weiteren Zusatzqualifikationen, auch ausgebildete Top-Speakerin! Die Powerfrau, welche gebürtig aus Eisenach kommt, sprüht vor Energie und Ideen und ist bereits seit 2006 selbstständig! Seit diesem Jahr bereichert sie nun Bad Rodach mit ihrer neuen Praxis well, fit & gesund sowie mit einem in Franken bisher einzigartigen Abnehm-Konzept. Wie die vielen Aktivitäten von Daniela in einem ganzheitlichen Konzept zusammengeführt werden und was die Gründerin antreibt und motiviert, berichtet sie im Interview.  

Daniela, du bist bereits seit 2006 selbstständig und somit eine erfahrene Unternehmerin. Gib uns einen kurzen Einblick in dein Business.


Nach meiner Ausbildung zur Masseurin und medizinischen Bademeisterin bildete ich mich laufend fort. Fußreflexzonenmassage, Behandlungen nach Dorn-Breuß und manuelle Lymphdrainage - um zunächst ein paar eher klassische Weiterbildungen zu nennen. 2006 startete ich dann in die Selbstständigkeit und eröffnete eine Praxis in Bad Rodach. Die ersten fünf Jahre in meiner noch jungen Karriere als Unternehmerin arbeitete ich mit einer Kassenzulassung. Doch damit war ich unzufrieden, da ich den Patienten nicht in dem Umfang helfen konnte, wie ich gewollt hätte. Ich konnte mein Potential nicht voll ausschöpfen. Natürlich bekommt man mit einer ärztlichen Verordnung leichter neue Kunden, doch das erfüllte mich nicht. Da ich mir in dieser Phase bereits schon einen Privat-Kundenstamm aufgebaut hatte, entschied ich mich zu einem Ausstieg aus dem Krankenkassensystem.


Du entwickelst dich und dein Geschäft laufend fort. Wie ging es ab da weiter?


Wir richteten in unserem Wohnhaus eine kleine Praxis ein und ich zog mit meinem Unternehmen von Bad Rodach nach Heldritt. Seit 2011 arbeite ich nur noch mit selbstzahlenden Patienten. Das war zu Beginn natürlich ein gewisses Risiko, ich habe den Schritt aber keinesfalls bereut. Es folgten viele weitere Fortbildungen von Motivationstraining über Health Development für Firmen bis hin zum Coach für Gewichtsreduktion. 2018 bündelte ich schließlich mein ganzes erworbenes Wissen in meiner patentierten DAWELA® Methode.

Du hast dir dein Konzept patentieren lassen? Wie kam es dazu und was ist das Besondere daran?


Der Begriff Massage ist sehr in den Wellness-Sektor abgedriftet. Aus meiner Sicht hat dieser, in den letzten Jahren stark gewachsene Bereich, die professionelle Massagetherapie geradezu verschluckt. Ich wollte deshalb einen neuen Namen in die Welt setzen und die Massagetherapie damit wieder ins Bewusstsein der Patienten rücken. Der Grundgedanke war nicht weniger als eine „Massagerevolution“ (lacht)! Außerdem verfolge ich, als Schmerztherapeutin, mit meinem eigenen Konzept einen ganzheitlichen Ansatz.  


Was kann sich der medizinische Laie unter „ganzheitlich“ vorstellen?


Bei einem ganzheitlichen Ansatz betrachtet man den Menschen mit all seinen Facetten. Der Patient kommt mit Schmerzen. Diese sind aber oft nur ein Symptom, der Auslöser sitzt häufig ganz wo anders. Ich beschäftige mich also nicht nur mit dem Körper, sondern auch mit Emotionen, der Psyche, der Seele und den Befindlichkeiten. Kurz gesagt: Die DAWELA® Methode ist eine Coaching-Therapie, welche eine Transformation für den Kunden bedeutet! Schmerzfrei und glücklich sein, das ist das Ziel! 

Wo liegt jetzt aber genau der Unterschied zu klassischen Herangehensweisen?


In der klassischen Behandlung kommt der Kunde beispielsweise mit Schmerzen und Verspannungen zu einem Therapeuten. Es folgen Massage und Übungen zur Steigerung der Beweglichkeit. Das wirkt schmerzlindernd und tut dem Patienten gut. Diesen Teil der Behandlung mache ich auch, doch zugleich auch noch viel mehr. Denn oftmals wird sonst die eigentliche Ursache der Schmerzen nicht behoben und sie kommen schnell wieder. Ich nehme mir deshalb Zeit für eine ausführliche Anamnese und zwar nicht nur vom Körper, sondern vom ganzen Menschen. Ich tauche ein in Erlebtes, hinterfrage Verhaltensmuster und ergründe die Psyche. So finde ich die Weichen, welche gestellt werden müssen, um eine Veränderung herbeizuführen. Kombiniert mit Energiearbeit und Techniken aus der Schmerztherapie ergibt das die DAWELA® Methode.   

Du bist auch als Speakerin unterwegs, stehst vor Publikum und hältst Vorträge. Was reizt dich daran und wo ist die Verbindung zu deiner eigentlichen Tätigkeit?


Das hat sich tatsächlich eher zufällig entwickelt (lacht). Begonnen hat alles mit kostenfreien Online-Kursen, welche ich für Frauen gegeben habe. Es ging ums Wohlfühlen, um mehr Power und auch ums Abnehmen. Die Kurse waren sehr gut besucht. In sechs Challenges erreichte ich insgesamt 2000 Frauen und ich erhielt danach extrem viel positives Feedback der Teilnehmerinnen. Das ermutigte mich damit weiter zu machen. Als Jugendliche hatte ich selbst eher Probleme damit, vor Menschen zu sprechen und so triggerten mich die Rückmeldungen dahingehend, es mir selbst zu beweisen und vor Menschen auf die Bühne zu gehen. Ich machte eine Ausbildung zur Top-Speakerin bei Hermann Scherer und starte als Lady BiN (Brust is NICE). Ganz nebenbei kam dabei auch noch Speaker-Slam Weltmeistertitel heraus. Die Gesundheitsthemen haben mich also ursprünglich zum Speaking gebracht und jetzt spreche und coache ich beispielsweise zu gesundem Verhalten und zu selbstbewusstem Auftreten. 

"Mut hat mich voran getrieben - der Rest ist Fleiß!"

2022 kam es zu einer neuen Gründung und du bündelst alle deine Aktivitäten in einer größeren Praxis. Was ist neu?


Im Januar ging mein neues Betätigungsfeld „Abnehmen im Liegen“ an den Start und mein Unternehmen Well, Fit & Gesund besteht seitdem aus drei Säulen. Die Technik stammt aus Österreich und das Konzept ist aktuell das am schnellsten wachsende Beauty-Business am Markt. Ich konnte mir die Lizenz für die Achse Bad-Rodach – Coburg sichern und kann damit als Erste in Franken die revolutionäre Technologie anbieten. Ziel von „Abnehmen im Liegen“ ist es, die Menschen, welche sich nicht wohlfühlen mit ihrem Körper, gezielt zu unterstützen. Neben der eigentlichen Technik kommen als weitere Tools Ernährungstipps und Sportübungen zum Einsatz. Es ist also wieder ein ganzheitliches System, welches mich insbesondere deshalb angesprochen hat, weil es nicht nur um Ästhetik, sondern auch um den Gesundheitsaspekt geht. Mit der Technologie lässt sich nämlich auch Menschen helfen, die krankhafte Fettanlagerungen haben, wie zum Beispiel Lipödem oder Lipolymphödem und denen als Alternative sonst nur eine Operation geblieben wäre. Das Verfahren ist sanft, schmerzfrei und funktioniert mit ungefährlichem Ultraschall und EMS. Damit dieses Geschäftsfeld wachsen kann und ich gleichzeitig auch ausreichend Platz für alle anderen Aktivitäten von mir unter einem Dach habe, habe ich mich zu einer „Rückkehr“ nach Bad Rodach und der Eröffnung einer ausreichend großen Praxis entschieden.

Warum hast du dich zu dieser Erweiterung entschlossen und wie sieht deine Vision aus?


16 Jahre lang war ich nun mehr oder weniger Einzelkämpferin. Zum einen wurde es Zeit für einen Wachstumsschritt und zum anderen habe ich mir auch selbst die Frage gestellt, wie lange schaffe ich eigentlich meine körperlich anstrengende Arbeit und was passiert, wenn ich selbst mal ausfalle? In die Überlegungen spielten also auch persönliche Ängste mit rein. Bisher ist das ganze Wissen, welches ich mir erarbeitet habe, alleine bei mir. Die Erweiterung sollte also unabhängig von meinem persönlichen Einsatz und zudem ohne eine langjährige Spezialausbildung möglich sein. Da bin ich auf „Abnehmen im Liegen“ aufmerksam geworden, welches die Möglichkeit bietet, „ohne mich“ zu wachsen. Mein neues Geschäftsfeld ist erst seit vier Monaten am Markt und ich konnte bereits jetzt schon ein zweites Gerät anschaffen, da die Buchungsanfragen so positiv waren. Außerdem habe ich Unterstützung bekommen und eine Kollegin angelernt. Im Juni, allerspätestens Juli, wird es dann einen zweiten Standort in Coburg geben. Dieser wird nicht beschränkt sein auf „Abnehmen im Liegen“, sondern es wird wieder eine Kombination mit ganzheitlichen Massagebehandlungen angeboten. Meine Vision für „Abnehmen im Liegen“ ist Niederlassungen bis in die Fränkische Schweiz zu eröffnen. Darüber hinaus möchte ich meine DAWELA® Methode in die Welt tragen und zukünftig verstärkt andere Therapeuten nach meinem ganzheitlichen Ansatz schulen. Last but not least schlummert in meiner Ideenkiste auch noch ein Consulting-Angebot für Gesundheitsanbieter. Aber eins nach dem anderen (lacht).

Was motiviert dich als Unternehmerin?


Menschen mit schnellen Resultaten glücklich zu machen, das ist meine Motivation! Positives Feedback ist Bezahlung für meine Seele. Ich kann mir keine andere Arbeit vorstellen.


In deinen Vorträgen und Workshops als Lady BiN geht es zum Beispiel um das richtige Mindset, um Zeitmanagement und auch um die persönliche Gesundheit. Gerade Selbstständigen sagt man ja oft nach, dass sie selbst ständig arbeiten! Wie also schafft man den Spagat zwischen erfolgreichem Unternehmertum und Work-Life-Balance?


Eine gute und wichtige Frage! Gerade in der Anfangsphase einer Gründung macht man in der Regel vieles, wenn nicht sogar alles, selbst. Die Waage liegt ganz klar mehr bei Arbeit und von Balance kann keine Rede sein. Behält man das so bei, geht es irgendwann schief! Deshalb ist es extrem wichtig, sich Kraftorte zu suchen, welche es einem ermöglichen, seine Akkus auch schnell wieder aufzuladen. Wo solche Kraftorte sein können, ist für jeden Menschen anders. Bei mir ist es zum Beispiel der Wald. Hier kann ich in wenigen Stunden so viel Kraft tanken, wofür andere vielleicht eine Woche Urlaub benötigen. Und was bei meiner täglichen Arbeit niemals fehlen darf, ist der Humor. Bei mir geht keiner raus, welcher nicht mindestens einmal mit mir zusammen gelacht hat.

Marketingkomplizen

Viel zu häufig wird Marketing nur aus dem Bauch heraus gemacht. Maßnahmen verpuffen, Geld wird verschwendet und Energie geht verloren. Ausgehend von einer Idee schmieden die Marketingkomplizen zusammen mit ihren Kunden einen Plan und setzen diesen in die Tat um. Planen, befähigen und umsetzen, so lautet der Dreischritt von Cindy Maaser. Wie sich das junge Unternehmen aus Neustadt bei Coburg von anderen Anbietern unterscheidet und warum es sich nicht um eine Fullservice-Agentur handelt berichtet die Gründerin im Interview.

Frau Maaser, die „Komplizenschaft“ kennt man aus dem Strafrecht und bedeutet Mittäterschaft. Dort definiert sich diese als Dreischritt von der Entschlussfassung, Planung und Durchführung einer kriminellen Tat. Können Sie – ausgehend von dieser Definition – einen Bogen spannen zu Ihrem Business?


Das ist genau das, was ich mache – lacht – nur ohne die kriminelle Tat! Planen, befähigen und umsetzen, so lautet mein Dreischritt! Zunächst gehe ich intensiv mit meinen Kunden in einen Workshop. Wir erarbeiten, wie wir die Marke aufbauen, wie wir sie positionieren wollen, entwickeln eine Geschichte und definieren die Zielgruppe. Am Ende des Tages entsteht dann ein Marketingplan. Im nächsten Schritt versuche ich meine Kunden zu befähigen, diesen selbst in die Tat umzusetzen. Ich zeige ihnen, wie es geht. Hilfe zur Selbsthilfe ist da das Stichwort. Letzter Schritt ist dann die konsequente Umsetzung, bei der ich auch unterstütze. Beispielsweise beauftrage ich einen Grafiker, welcher ein Briefing bekommt und der dann das Erarbeitete gestalterisch umsetzt.

Wie kam es zur Wortwahl „Komplize“?


Für mich ist der Name einfach dynamisch und bedeutet so viel wie „ich stehe partnerschaftlich an deiner Seite“ und „wir machen das zusammen“. Bei allen, denen ich im Vorfeld davon erzählt hatte, sah ich sofort ein Lächeln im Gesicht und bekam als Feedback „das passt zu dir“.

 

Wer ist alles „Mittäter“ bei den Marketingkomplizen?


Ich bin soloselbstständig. Das bedeutet aber nicht, dass ich Einzelkämpferin bin. Da ich bereits seit vielen Jahren in der Branche arbeite, habe ich ein großes Netzwerk. Beispielsweise kooperiere ich mit Agenturen in Schweinfurt, Kulmbach, Coburg oder auch München. Viele Agenturen haben sehr gute Kompetenzen im Bereich Gestaltung, häufig fehlt aber der konzeptionelle Part. Da komme ich ins Spiel, werde bei Neukunden vorgeschaltet, und entwerfe einen Marketingplan. Beauftragen Kunden hingegen direkt mich, so hole ich wiederum nach der Konzeption Andere mit an Bord und vermittle Fachleute für die operative Umsetzung. So bereichert sich das Netzwerk gegenseitig, jeder profitiert davon und der Kunde erhält das bestmögliche Ergebnis.

Wie kam es zur Gründung? Bietet die Selbstständigkeit, gerade in einem kreativen Beruf, mehr Freiheiten?


Auslöser für die Selbstständigkeit war eine strukturierte und begleitete Selbstreflektion. Ich habe mir fünf Wochen Zeit genommen, um für mich herauszufinden „was kann ich“ und „was will ich“. Ein Ergebnis war, dass ich eigentlich permanent gegen meine eigene Motivation gearbeitet habe. Meine Stärken liegen im „Leute befähigen“ und „Wissen teilen“. Diese Kompetenz konnte ich in meinem letzten Arbeitsverhältnis aber nur bedingt einbringen. Folglich fasste ich den Entschluss, mir etwas anderes zu suchen. Da sich die Stellenbeschreibungen bei vielen anderen Arbeitgebern aber ähnlich der meiner letzten lasen, war schnell klar, dass es diesmal die Selbstständigkeit wird. Auf die Frage zu den Freiheiten möchte ich mit einem klaren „Jein“ antworten. Ich hatte in Anstellung schon auch meine kreativen Möglichkeiten, allerdings genieße ich jetzt, dass ich flexibel in meiner Zeiteinteilung bin. Nachts arbeiten, mittags eine längere Pause, alles möglich und ganz wie ich will. Außerdem kann ich mir meine Kunden selbst aussuchen. Passt eine Dienstleistung, ein Produkt oder auch ein Kunde nicht zu mir, so kann ich den Auftrag einfach ablehnen.

Wie unterscheiden sich die Marketingkomplizen von anderen Agenturen? Was ist der USP?


Viel zu häufig wird Marketing nur aus dem Bauch heraus gemacht. Oder auf Zuruf, wenn gerade mal wieder ein Angebot ins Haus kommt oder sich ein Verkäufer meldet. In vielen Unternehmen gibt es niemanden, der sich explizit ums Marketing kümmert, da man „dafür keine Zeit hat“. So wird Marketing zur planlosen Nebentätigkeit, Maßnahmen verpuffen, Geld wird verschwendet und Energie geht verloren. Ich sehe die Marketingkomplizen nicht als Fullservice Agentur, sondern als Partner zur Konzepterstellung. Hier liegt meine Stärke. Diese konzeptionelle Arbeit, die Erstellung des Marketingplans, kostet zwar kurzfristig den Kunden extra Geld, mittelfristig spart er sich dieses aber mehrfach wieder ein. Die Planung schafft Klarheit über den Kundenwunsch und der künftige Aufwand für die operative Umsetzung reduziert sich enorm.


Der große Unterschied zu anderen Agenturen ist, dass ich versuche meine Kunden zu befähigen, den Marketingplan selbst umzusetzen und bin selbst kaum operativ tätig, obgleich ich Mediengestaltung auch gelernt habe. Mein Ansatz ist hier aber ein anderer. Lediglich im Online-Marketing übernehme ich selbst Aufgaben. Durch meine langjährigen Erfahrungen mit beispielsweise google ads und google analytics bin ich gerade im Bereich Suchmaschinenmarketing Expertin. Aber auch hier ist es das Ziel, den Kunden zu zeigen wie es geht, um dann die Arbeit selbst machen zu können.

Wenn Sie an die derzeitige Medienlandschaft denken, haben Sie eine Lieblingskampagne?


Nein. Globale Kampagnen, welche alle Menschen erreichen, gibt es auch eigentlich gar nicht mehr. Werbemaßnahmen werden heute vielmehr spitz auf die Zielgruppe zugeschnitten. Der Kunde schaut sich online Bewertungen an und liest Rezensionen. Die Kundenansprache wird immer persönlicher und dabei geht es vor allem um die Vermittlung von Emotionen. Mit breit ausgerollten Kampagnen ist das kaum noch möglich. Aus meiner Sicht ist deshalb auch TV Werbung „tot“. Die Menschen blenden diese komplett aus. Auch eine Werbung rein über den Preis funktioniert nur noch bedingt, da Angebote vergleichbar geworden sind. Vielmehr geht es heute um Vertrauen und auch um die Frage, wer hinter einem Produkt steht.


Gibt es „no gos“ im Marketing oder macht es manchmal auch Sinn gezielt zu „zündeln“? Gelegentlich wird eine Rüge durch den Deutschen Werberat ja auch als Auszeichnung gesehen.


Ein absolutes no go ist für mich green washing, also dem Kunden vorzugaukeln, dass ein Produkt oder eine Dienstleistung ökologisch oder nachhaltig ist, obwohl es das nicht ist! Vom „zündeln“ oder grenzwertiger Werbung würde ich abraten! Kurzfristig spricht man zwar über negative Kampagnen, mittelfristig bleibt aber das Negative hängen! Ähnlich verhält es sich bei Werbekampagnen, welche mit Ängsten spielen. Ich möchte ein Beispiel aus der Versicherungsbranche bringen. Es macht einen großen Unterschied in der Kundenwahrnehmung, ob ich als Versicherer auftrete, welcher sich in Werbespots mit einem Schild vor seine Kunden stellt oder ob ich für mich werbe, indem ich eine Szene zeige, bei welcher einem Autofahrer beim Türe öffnen diese abgefahren wird. Bei ersterem geht es um Schutz, Vertrauen und um eine positive Kundenbeziehung, bei zweitem wird mit der Angst und dem Ärger bei einem Autounfall gearbeitet. Diese Versicherung wird man deshalb zwangsläufig häufiger in Verbindung mit Unfällen bringen als die andere. Ich rate deshalb zu positiver Werbung.

Was sollte ein Unternehmen beachten, wenn es für sich, seine Produkte oder seine Dienstleistung werben möchte? Welchen Tipp haben Sie?


Ich möchte gerne gleich mehrere Tipps geben:


Ich höre immer wieder den Satz „ich muss doch keine Werbung machen, ich habe genug Arbeit.“ Das ist falsch! Es geht nicht nur darum, Produkte oder Dienstleistungen zu verkaufen, sondern mit gezieltem Marketing lässt sich auch ein positives Arbeitgeberimage aufbauen. Viele Betriebe suchen doch händeringend Fachkräfte oder auch einen Nachfolger, welcher den Betrieb übernimmt. Die jungen Leute können sich den Arbeitgeber heute frei aussuchen! Es gibt mehr Ausbildungsplätze als Bewerber. Deshalb muss man zeigen, dass man ein attraktiver Arbeitgeber ist, muss seine Türen aufmachen und an seinem Ruf und seinem Image arbeiten! Mit einer ordentlichen Positionierung wird alles andere einfacher! Wofür stehe ich? Warum gibt es mich? Was sind meine Werte? Wer das verstanden hat und entsprechend kommuniziert, wird sich nicht nur leichter tun, Personal zu finden, sondern wird auch vorhandenes Personal besser an sich binden, da die Mitarbeiter „stolz sind“ und merken, dass es „sich lohnt“ dort zu arbeiten.


Gleichzeitig führt ein gewisses Image aber auch dazu, dass man höhere Preise generieren kann. Hier möchte ich den Friseur als Beispiel anführen. In diesem Handwerk kann man mit niedrigen Preisen auf den Markt gehen. Dann ist man aber gezwungen, den Kunden möglichst schnell zu bedienen, um viele Kunden an einem Tag zu schaffen. Ergebnis ist dann, dass man den ganzen Tag arbeitet, jedoch zu nichts (anderem) kommt. Die Alternative ist am eigenen Image zu feilen. Wie ist meine Außenwirkung, welches Erlebnis vermittle ich? Wer es schafft, seine Dienstleistung als „Auszeit“ oder „Wohlfühl-Erlebnis“ zu verkaufen, wird einen besseren Preis erzielen. Dadurch bleibt nicht nur mehr Zeit für den einzelnen Kunden und für andere Tätigkeiten, auch das eigene Stresslevel reduziert sich. Ich möchte deshalb meinen Kunden dabei helfen, dass sie nicht mehr über Preise feilschen müssen, sondern die Menschen zu ihnen kommen, weil sie das möchten. Wohlwissend, dass Preisverhandlungen gar nicht so einfach sind, wie ich aktuell selbst feststellen muss. (lacht)


So wie viele Wege nach Rom führen – führen viele Wege zum Marketingerfolg. Es gibt die Umwege, Wanderwege, Lernpfade, Landstraßen und Autobahnen. Alle führen letztlich zum Ziel. Die Frage ist nur, wie schnell und wie teuer sie sind. Mit einer solide geplanten Route (einem Marketingplan) lassen sich Ressourcen zielgerichtet einsetzen und verbrannte Budgets vermeiden.

Onkel Toms Regional

Die früheren Tante-Emma-Läden sind nahezu alle verschwunden. Geblieben ist eine Versorgungslücke auf dem Land und teilweise große Wege zu den Direktvermarktern. So entstand die Idee von Thomas Kittel: Onkel Toms Regional. Zukünftig sollen seine Lebensmittelautomaten flächendeckend die Region Coburg mit regionalen Produkten versorgen. Und das rund um die Uhr!

Herr Kittel, Sie sind Ingenieur und waren 20 Jahre in der Industrie tätig. Jetzt haben Sie sich aufgemacht zu „neuen Ufern“. Warum der Wechsel in die Selbstständigkeit?


Angekommen in der Mitte des Berufslebens, habe ich mir die Frage gestellt, wie ich die zweite Hälfte verbringen möchte. 20 Jahre war ich weltweit unterwegs und überspitzt gesagt: überall und nirgends! Das war für mich und die Familie belastend und irgendwie nicht mehr zufriedenstellend. Ich wollte deshalb wieder mehr Zeit für meine Familie haben und auch in der Region arbeiten. Meine erste Konsequenz war ein Sabbatical, um mich selbst zu orientieren. Recht schnell kam da die Option einer Selbstständigkeit ins Spiel. Zunächst dachte ich an eine Tätigkeit als Berater, um meine gesammelten Kenntnisse und Erfahrungen weiter verwenden zu können, doch dann bin ich komplett umgeschwenkt. Ganz nach dem Motto: jetzt oder nie!

 

Wie kam es zu der Idee mit den Lebensmittelautomaten?


Als leidenschaftlicher Hobbykoch bin ich fasziniert von der großen Vielfalt der Angebote regionaler Hersteller. Ich fand es nur sehr mühsam, die tollen Produkte einzukaufen. Wochen- und Bauernmärkte sind nur einmal pro Woche, Hofläden liegen teilweise sehr weit auseinander und haben immer dann geschlossen, wenn ich etwas kaufen möchte. Außerdem gibt es gerade im ländlichen Raum kaum noch Einkaufsmöglichkeiten im Ort. Die früheren Tante-Emma-Läden sind nahezu alle verschwunden und so entstand als Alternative mein Konzept mit Lebensmittelautomaten: „Onkel Toms“. Ich wollte die guten Produkte aus der Region bündeln und dann zu den Menschen in der Region bringen. Erste Gespräche mit Familie, Freunden, potentiellen Partnern und Beratern verliefen positiv und die Idee fand von allen Seiten Zuspruch. So war letztendlich der Entschluss schnell gefasst und das Projekt nahm Fahrt auf.

Wie verlief der Start und wie werden die Automaten an den mittlerweile fünf Standorten angenommen?


Der Start verlief durchweg positiv. Die ersten Automaten wurden in Unterwohlsbach und Blumenrod (Stadt Rödental) aufgestellt. Die Neugierde der Menschen war schnell geweckt und so waren die Automaten bereits Dorf- und Facebook-Ortsgruppen-Gespräch, bevor ich selbst überhaupt mit einer ersten Werbung begonnen hatte. Mit der Stadt Rödental habe ich von vornherein eine Pilotphase bis in das Frühjahr 2022 vereinbart. Ich möchte schauen, wie die Automaten angenommen werden und ob die Standorte tatsächlich geeignet sind. Generell gilt das für alle Standorte. Das ist ja das Schöne am Konzept. Automaten und auch die Verkaufshütten können jederzeit umziehen.

 

Nach wie vor befindet sich das Unternehmen in der Anlaufphase und das Stimmungsbild ist durchaus unterschiedlich. Es liegt in der Natur der Sache, dass die Automaten an Durchgangsstraßen besser frequentiert sind als solche, welche erst gefunden werden müssen. Die zwei Automaten in der Gemeinde Meeder sind zudem nicht in den auffälligeren Verkaufshäuschen, sondern in Bestandsgebäuden. Einmal in der ehemaligen Sparkasse in Meeder und einmal im alten Backhaus von Großwalbur. Gerade diese Orte müssen bei der Bevölkerung im Ort erst noch richtig bekannt werden und hierfür laufen jetzt die nächsten Marketingmaßnahmen an. Spannend ist durchaus auch, dass sich die Nachfrage nach einzelnen Produkten von Ort zu Ort unterscheidet. An den Verkaufsstellen befinden sich jeweils QR Codes, über welche die Kunden selbst „Wünsche“ äußern können. Das wurde ebenfalls bereits gut genutzt und so werde ich baldmöglichst das Sortiment optimieren. Vor allem vegetarische und vegane Produkte stehen auf dem Wunschzettel und hier kann ich schon versprechen: die kommen bald!

Sind Sie auf Schwierigkeiten gestoßen, welche Sie nicht erwartet haben?


Richtige Schwierigkeiten eigentlich nicht. Gewisse Startschwierigkeiten gibt es immer. So musste zu Beginn hier und da bei der Bestückung noch nachjustiert werden, wenn z.B. ein Produkt bei der Ausgabe hängen geblieben ist. Das ließ sich aber alles recht schnell und einfach regeln und die betroffenen Kunden, welche sich bei mir gemeldet haben, erhielten eine Wiedergutmachung. Natürlich blieben auch klassische Anfängerfehler nicht aus. Zum Start der Automaten sollten die Fächer alle gut gefüllt sein. So habe ich das auch mit Grillfleisch gemacht. Im Monat Dezember gab es danach aber nicht wirklich eine nennenswerte Nachfrage und so erreichten die Produkte recht schnell das Ende des Mindesthaltbarkeitsdatums. Meine private Gefriertruhe ist deshalb jetzt gut gefüllt mit Fleisch und ich werde vermutlich im ganzen Jahr nicht mehr für einen Grillabend einkaufen müssen (lacht).

Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern? Oder braucht es gar keinen Unterschied und der Erfolg hängt vom Standort ab?


Grundsätzlich geht es immer um den Standort. Ein Automat kann noch so tolle Produkte enthalten, wenn man die Verkaufsstelle nicht sieht oder findet, wird man nichts verkaufen. Die bisherige Automatenlandschaft in der Region ist sehr heterogen. Es gibt Direktvermarkter und einige Metzgereien, die selbst auch Automaten betreiben. Da gibt es teilweise schon große Unterschiede in den Sortimenten. Mein Anspruch ist es, ausschließlich regionale Spezialitäten anzubieten. Außerdem versuche ich mit den Verkaufshütten und foliierten Automaten eine schöne und einladende Einkaufsatmosphäre mit Wiedererkennungswert zu schaffen. Zur Bezahlung gibt es bei Onkel Toms nur die Möglichkeit bargeldlos mit Kredit- oder EC-Karte. Dies gestaltet den Einkauf super einfach.

Welches ist ihr persönliches Lieblingsprodukt?


Im Sortiment sind nur Produkte, die ich auch selbst gut finde. Was ich aber am häufigsten esse, ist das Dinkel-Vollkornbrot. Der Renner im Verkauf ist aktuell der Schoko-Muffin!

 

Vermissen Sie die frühere Tätigkeit und was gefällt Ihnen am (neuen) Unternehmertum?


Ein vorhandener Organisationsgrad, eingespielte Teams und geregelte Abläufe - das fehlt natürlich schon etwas. Ebenso die finanzielle Absicherung, da muss man ehrlich sein! Aber die selbstständige Tätigkeit hat auch viele positive Seiten, wie kurze Entscheidungswege (lacht) und flexible Arbeitszeiten. Ich habe die Möglichkeit, eigenständig und nach meinen Vorstellungen zu gestalten, mich auszuprobieren und meine Ideen in die Tat umzusetzen!

Wo sehen Sie sich und Onkel Tom in fünf Jahren?


An vielen weiteren Standorten in Stadt und Landkreis Coburg! Aktuell bediene ich ja mit der Achse Rödental-Lautertal-Meeder nur einen kleinen Teil der Region, doch ich möchte meinen Fußabdruck, bzw. den von Onkel Toms, im gesamten Coburger Land hinterlassen. Bereits jetzt habe ich Anfragen von verschiedenen Gemeinden, die das Konzept in ihre Kommunen holen wollen und angefragt haben, ob ich dort nicht einen Automaten aufstellen möchte. Daher ist die nächste Ausbaustufe auch bereits in Vorbereitung. Doch nicht nur in der Fläche, auch im Sortiment möchte ich größer bzw. breiter werden. Aktuell befinden sich Produkte im Portfolio, welche von der Kundschaft direkt konsumiert werden können. Es gibt aber auch noch viele andere tolle regionale Produkte, die man zum Selberkochen verwenden kann, wie Linsen, Mehle, Öle, Kartoffeln oder auch Kaffee. Diese Lebensmittel passen jedoch aktuell nicht ganz in die Zusammenstellung des bisherigen Angebots. Außerdem hat der Automat auch nur einen begrenzten Platz. Deshalb soll es bald an einem Teststandort einen zweiten Automaten geben, der dann zusätzlich auch solche besonderen Produkte beinhaltet.

meinwoody - zukunft(s)pflanzen

Menschen interessieren sich wieder für Pflanzen und den Eigenanbau von Lebensmitteln. Der Verzicht auf Plastik trifft zudem voll den Zeitgeist. meinwoody ist Problemlöser, Entrepreneur und Green Startup. Ursprünglich bereits im Jahr 2011 gegründet, fertigt das Unternehmen heute in der ehemaligen „Blaufabrik“ in Grub am Forst sein eigens entwickeltes „Baum Pflanz Kit“, welches aus einem Pflanztopf aus nachwachsenden Rohstoffen, Terra Preta Erde und Baumsamen besteht. Thomas Gardeia ist einer der drei Gesellschafter und als Geschäftsführer im Unternehmen tätig. Im Interview gibt er einen Einblick in eine Unternehmung, zu der  ganz viel Idealismus gehört.

Herr Gardeia, Zukunft(s)pflanzen lautet der Untertitel im Logo von meinwoody. Was dürfen wir uns darunter vorstellen, was macht meinwoody?


Zukunft(s)pflanzen beschreibt es schon sehr treffend: Es geht darum, Menschen wieder näher an die Natur,   Pflanzen und Nachhaltigkeit heranzuführen. Die Ursprungsidee bei der Gründung 2011 war es, ein Pflanz-Kit auf den Markt zu bringen, das es jedem ermöglicht, ohne Vorkenntnisse einen Baum großzuziehen und diesen dann in der Natur anzupflanzen - das Ganze unter Vermeidung von Müll und unter Verwendung organischer Rohstoffe. Den Cradle-to-Cradle Ansatz verwirklichen wir unter anderem durch unseren eigens entwickelten biologisch abbaubaren Pflanztopf aus nachwachsenden Rohstoffen sowie den seit Neuestem aus Graspapier gefertigten Verpackungen.


meinwoody gibt es also bereits seit 2011. Sind Sie selbst einer der Gründer und welche Funktion und Aufgaben haben Sie?


Bei der Gründung war ich noch nicht dabei. Der Erstkontakt kam 2015 im Rahmen einer Auszeichnung bei den Kultur- und Kreativpiloten Deutschland zu Stande, eine durch die Bundesregierung vergebene Auszeichnung für Unternehmen der Kultur- und Kreativwirtschaft. Hier war sowohl meinwoody Preisträger als auch ich mit einem anderen Unternehmen. 2017 kam ich erstmals als externer Mitarbeiter mit an Bord. Das Unternehmen war zu diesem Zeitpunkt in einer schweren Krise. Durch einen vorausgegangenen Sabotage-Akt von Teilen der ehemaligen Gesellschaft wurde die Produktion der Pflanztöpfe, die damals noch in Österreich durch einen Partner starten sollte, unterminiert und hat schlussendlich zu einem Bruch der alten Gesellschaft geführt. Somit konnte meinwoody nicht wie seit 2014 initiiert die Produktion der eigens entwickelten Pflanztöpfe starten. Es entstand ein immenser Schaden und der Markteintritt konnte nicht wie geplant erfolgen. Durch meinen Eintritt in das Unternehmen konnte ich dem Gründer Rückendeckung geben und wir haben das Unternehmen mittels einer Auffanggesellschaft in eine neue Gesellschafterform übergeleitet. So konnten wir Grundsicherung für das bereits sechs Jahre bestehende Unternehmen betreiben und die Produktion durch einen zweiten Anlauf auf die Straße bringen.

Der Sitz des Unternehmens ist in der Blaufabrik in Grub am Forst. Wie viele Mitarbeitende gibt es und was wird dort alles gemacht?


Aktuell sind wir zu siebt. Im Frühling 2022 werden wir, so der Plan, zwei weitere Mitarbeiterinnen  einstellen. Regionalität spielt in unserer Philosophie eine wichtige Rolle, am Standort Grub am Forst kann diese auch gelebt werden. Wir sind sehr froh, dass wir hier Verwaltung, Entwicklung, Produktion und Logistik in der eigenen Hand haben. Die selbst entwickelten Pflanztöpfe aus nachwachsenden Rohstoffen werden von uns auf mittlerweile zwei Maschinen produziert. Die zweite Maschine ging erst kürzlich in Betrieb und wurde erforderlich, da wir ein neues Produkt, nämlich eine weitere Topfgröße, auf den Markt bringen wollten. Die Samen für unsere Baum Pflanz Kits kaufen wir zu. In Grub am Forst werden also alle Bauteile und Elemente produziert und zusammengeführt. In Kooperation mit einer österreichischen Baumschule beschaffen wir handgeerntete Baumsamen. Der Erhalt der hiesigen Biodiversität ist uns elementar wichtig, dazu dienen unsere Baumsamen, die diesen Zweck erfüllen.


Was reizte Sie so sehr an meinwoody, dass Sie in einer schwierigen Phase eingestiegen sind?


In erster Linie ging es mir um die Nachhaltigkeit, welche man in allen Bereichen des Unternehmens wiederfindet. Mit der Philosophie konnte ich mich zu 100 Prozent identifizieren. Bereits vor meinwoody hatte ich ein eigenes Unternehmen, auch hier ging es um Nachhaltigkeit. Bevor ich dieses gründete war ich als Vertriebler bei einem großen Verlag angestellt. Ich hatte eine sichere und gute Stelle, doch ich war mit dem wirtschaftlichen Leben der Gesellschaft insgesamt unzufrieden. Das klingt jetzt vielleicht sehr philosophisch, aber für mich war klar, dass ein Fast-Consumer-Ansatz nicht auf Dauer umsetzbar ist. Viele reden immer nur davon, dass man „etwas für die Umwelt machen müsste“, ich wollte von mir sagen „Ich hab es gemacht!“. Ich wollte den Gedanken umsetzen und mit dem Erfolg von meinwoody zu einer besseren Zukunft beitragen.

Was ist das Spannende am Unternehmertum?


Seit ich 2011 meine Festanstellung aufgab und mich in ein volatiles, nicht absehbares Feld bewegte, werde ich das immer wieder gefragt. „Warum hast du das gemacht?“ Hauptantrieb für mich war, wie eben schon erwähnt, die Unzufriedenheit mit dem wirtschaftlichen Leben unserer Gesellschaft im Allgemeinen. Meine persönliche Erkenntnis war, dass in der Natur nichts auf Dauer wächst. Nachhaltiges Wachstum ist kein endlos steiles Wachstum. Deshalb sollte auch die Wirtschaft nur in einem gesunden Maß wachsen und auf Mensch und Gesellschaft ausgerichtet sein und nicht allein aufs Kapital. Eine solche Philosophie lässt sich nur als Unternehmer verfolgen und bei meinwoody machen wir das aus tiefster Überzeugung.


Auf der Homepage von meinwoody liest man „on mission since 2011“. Kann man bisher von einer erfolgreichen Mission sprechen?


In jedem Fall kann man von Erfolg sprechen. Als wir 2019 mit der Produktion der eigens entwickelten Töpfe starteten, hatte uns eigentlich niemand zugetraut, dass wir das hinbekommen. Dazu muss man wissen, dass unsere Produktion eine Pionierleistung darstellt. Wir hatten keinerlei Wissen in dieser Sache und mussten alles selbst erfinden. Einen natürlichen Rohstoff (Hanffaser) maschinell und in Serienprozessen zu produzieren war bis dato nicht möglich und es gab auch niemanden, der uns dabei helfen konnte. Doch mit dem festen Willen, etwas noch nie Dagewesenes zu erreichen und nach vielen Versuchen haben wir den Produktionsprozess hinbekommen und immer weiter optimiert. Seitdem haben wir 2,5 Millionen Töpfe in Serie produziert. Bezogen auf den gesamten Topfmarkt ist das natürlich nur ein sehr kleiner Anteil, aber immerhin schon mal 2,5 Millionen Töpfe, welche nicht aus Plastik hergestellt werden mussten. Aber natürlich ist noch viel Luft nach oben (lacht)!

Das Thema Klimaschutz ist heute ganz anders präsent als noch vor 10 Jahren, nicht zuletzt seit Fridays for Future. Merken Sie die Trendwende in der öffentlichen Wahrnehmung auch in den eigenen Verkaufszahlen?


Im Endkundensegment auf jeden Fall. Unser eigener Online-Shop ist gut frequentiert. Anhand der Vornamen unserer Kunden, würde ich mutmaßen, dass es sich dabei überwiegend um eine jüngere Klientel handelt (lacht). Bei Firmenkunden, welche beispielsweise Präsente für Kunden oder Mitarbeitende suchen, verspüren wir eine zunehmende Offenheit für ökologische Produkte. Beim Handel verhält es sich (noch) anders. Zwar haben sich viele Handelsunternehmen die Themen Nachhaltigkeit und Umweltschutz auf die Fahnen geschrieben, doch wird hier auch viel Greenwashing betrieben. Da kann das Marketing noch so emotionale Spots kreieren, wenn das Controlling einschreitet schlägt Ökonomie die Ökologie. Und ich bin immer wieder überrascht, was wir da in Verhandlungen hören. Entweder wird argumentiert, dass der Kunde nicht bereit sei, den Mehrpreis zu zahlen – wir reden über Cent-Beträge bspw. bei einem Kräutertopf – oder man möchte von uns absurd viele Nachweise und Zertifikate sehen. Hingegen wird ein Pflanztopf aus Plastik von Handelsketten einfach palettenweise bestellt. Da fragt kein Einkäufer nach der Herkunft des Rohstoffs (Erdöl!). Soweit es uns möglich ist, erbringen wir die gewünschten Nachweise, doch das steht dann oftmals in keinerlei Verhältnis mehr zum Wert des Auftrags. Da merkt man dann, dass eigentlich gar kein Interesse da ist, etwas für den Umweltschutz zu unternehmen. Es gibt aber auch positive Beispiele, dass sich im Handel – langsam – etwas bewegt. So bietet beispielsweise eine Bio-Großhandelskette ihre Kräuter nur noch in unseren Pflanztöpfen an.

Die Mission ist also noch nicht zu Ende. Wo soll die Reise hingehen?


Nein, auf keinen Fall. Wir hoffen in erster Linie darauf, dass das ökologische Bewusstsein der Bevölkerung weiter zunimmt und dadurch auch der Handel seine Produkte einer geänderten Nachfrage anpasst. Wir möchten mit unserem Sortiment unseren Beitrag zu einer besseren Welt leisten und laden jeden dazu ein, mitzumachen. Wir werden weiterhin daran arbeiten, das Unternehmen zu globalisieren. Bereits jetzt haben wir Kunden aus der Schweiz, den Niederlanden, Österreich, den Arabischen Emiraten und den skandinavischen Ländern. Und - jetzt kommt auch bei uns mal das Stichwort Ökonomie - das Ganze natürlich im wirtschaftlich nachhaltigen Sinne, um somit einen stabilen und langfristigen Erfolg von meinwoody am Markt zu realisieren.


In Ihrem speziellen Fall waren Sie nun nicht Gründer der ersten Stunde, sondern sind erst zu einem späteren Zeitpunkt eingestiegen. Haben Sie einen Tipp, wie Menschen mit unternehmerischer Denkweise und Unternehmen, welche neue Impulse oder aber einen Nachfolger suchen, zusammenfinden?


Den einen perfekten Tipp kann ich leider nicht geben. An die Adresse derjenigen, die selbst Unternehmer werden möchten, würde ich zur Nutzung von Netzwerken raten. Ihr müsst gefunden werden können! Versteckt euch nicht! Potentielle Interessenten sollten im Idealfall von sich aus auf euch aufmerksam werden. Wer eine Idee hat und von dieser überzeugt ist, sollte sich und seiner Idee treu bleiben. Kompromisse sind in der Gründungsphase unerlässlich, sollten aber den Ursprung und das Fundament der Idee nicht beeinträchtigen. Es ist wichtig, überzeugt von dem zu sein, was man tut. Das kann man nur, wenn man einen ehrlichen Ansatz verfolgt und diesen auch lebt und umsetzt. Also etwas unternimmt! Es wird manchmal viel geredet und wenig gehandelt. Man sollte sich nicht zu sehr ablenken lassen und für seine Aufgabe einstehen.

Die Marke Bächlein - innovative Installationsprodukte aus Coburg

Innovationen für Haus und Garten bei allem, wo das Wasser fließt. Was mit einer ersten Idee zu neuartigen Produkten und einer verbesserten Vermarkung von Sanitärprodukten etc. begann, hat sich in den letzten Jahren zu einem florierenden und wachsenden Geschäft entwickelt. Die von Jan Carlsen in das Leben gerufene Marke Bächlein findet sich in diversen Handelsketten und Onlinemarktplätzen. Die hochwertigen und teilweise in Deutschland produzierten Produkte finden aus Coburg immer häufiger den Weg in die Häuser und Badezimmer Deutschlands. Erste Einblicke in die Entwicklung der Marke Bächlein gibt es für den interessierten Leser in den kommenden Zeilen. 

Herr Carlsen, wann haben Sie Ihr Unternehmen gegründet und worin lag hierfür Ihre Hauptmotivation?

 

Anfang 2018 bin ich gestartet - Bächlein entwickelt, produziert und verkauft innovative Installationsprodukte im Bereich Wasser rund um Haus & Garten. Ich sah hier Potential in einer Produktoptimierung als auch in der Vermarktung und im Vertrieb. Als Student an der Uni war ich damals unglücklich, die Art zu lernen passt einfach nicht so gut zu mir, sodass ich dann das Studium kurz vorm Schluss abgebrochen hab und ins Unternehmertum gestartet bin.

 

Wie verlief der Start und vor allem die zurückliegende Gründungsphase für Sie?

 

Soweit ich mich erinnern kann, durchweg sehr gut, auch wenn alles etwas länger gedauert hat als ursprünglich gedacht. Ich konnte bereits im ersten Monat meine Erwartungen übertreffen und war auf der Ebene Deckungsbeitrag profitabel. Ansonsten bin ich lange Zeit viel eigenes Risiko gefahren, habe alles verkauft was ich besessen habe, günstig gelebt und hatte so das Kapital für die Gründung der Firma zur Verfügung.

 

 

Worauf liegt bei Ihren Produkten der Fokus und was machst Sie damit „einmalig“?

 

Maximale Endkundenorientierung, Produktinnovationen im Bereich Wasser & Sanitär, bestmögliche Qualität für maximale Langlebigkeit bilden den Fokus des Unternehmens. Darüber hinaus ist das Markenbild “Bächlein” sowie die Produkte auf Nachhaltigkeit geprägt. Wir haben den Anspruch eher unkonventionelle Produkte interessant und ansprechend zu vermarkten.

 

Was sind die kommenden Meilensteine und Aufgaben?

 

Als nächster großer Schritt steht die Expansion & das Wachstum in Europa und die USA an (Bild). Dabei wird es auch eine Diversifikation der Produktpalette geben. Wir streben dazu nach der Optimierung des Unternehmens hinsichtlich ökologischer Faktoren und investieren aktuell viel Aufwand in die Finanzierung sowie den nachhaltigen Teamaufbau.

Die erste Produktpalette für das anstehende USA-Geschäft
Die erste Produktpalette für das anstehende USA-Geschäft

Angestelltenverhältnis und Unternehmertum. Kennen Sie beides? Was sind die Unterschiede?

 

Ich war nie in einem Angestelltenverhältnis tätig, habe aber als Selbständiger vorher Dienstleistungen erbracht. Viele Unternehmer sind eher Generalisten, als Angestellter ist man meistens eher Spezialist und kann einen Bereich / Bereiche so richtig gut und viel besser als der Unternehmer.

 

Ich selbst bin definitiv eher der Generalist!

 

Was war die bisher größte Herausforderung? Wie konnten Sie diese meistern?

 

Als Unternehmer begeht man Fehler und man hat Rückschläge zu verkraften. Der Umgang mit diesen Situationen lässt einen persönlich wachsen und reifen und hilft mir enorm für die Zukunft.

 

Finanzierung, Liquidität war bisher immer knapp, da die Waren vorfinanziert werden mussten und der Kapitalbedarf aufgrund der starken Nachfrage groß war, um den Warenfluss am Laufen zu halten. Das hat uns dazu veranlasst alle Prozesse radikal zu optimieren, um diesen Umständen gerecht zu werden. 

Würden Sie heute bei einer erneuten Gründung etwas anders machen?

 

Ich würde direkt als Kapitalgesellschaft starten um mir den Umfirmierungsprozess vom Einzelunternehmen in die GmbH zu ersparen. Außerdem ist es ratsam sich etwas früher Unterstützung ins Boot holen (Mitarbeiter) und ein sauberes IT-Setup und Struktursetup (Cloud) der Firma von Beginn an zu implementieren.

 

Was braucht ein erfolgreicher Gründer und was würden Sie anderen empfehlen?

 

 

Eine Vision und eine gute Portion Mut. Als Unternehmer erkennst du Potentiale, die man ggf. auch mit Problemen gleichsetzen kann, um sie dann zu lösen. Folgt eurem Gefühl und macht das was euch glücklich macht. Unternehmertum ist mega cool, aber nicht für jeden passend. Gute und motivierte Angestellte sind mindestens genauso toll! 

Sunshine & More - Die neue Art der Reiseberatung

Eine Existenzgründung an sich ist meist schon mit vielen Herausforderungen verbunden. Gründer im Bereich Tourismus haben es in der gegenwärtigen Situation aber besonders schwer. Ein eigenes Reisebüro zu eröffnen war jedoch schon lange der Wunsch von Kathrin Mandrysch und so nutzte sie den Umbruch in der Touristikbranche als Chance und eröffnete ihr mobiles Reisebüro Sunshine&more.

 

Im Interview berichtet die Gründerin wie sie mit viel Zuversicht und guter Vorbereitung den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt hat.

 

Frau Mandrysch, erzählen Sie uns doch zunächst etwas zu sich selbst und zu ihren bisherigen beruflichen Erfahrungen.

 

Ein eigenes Reisebüro zu eröffnen, war schon lange mein Wunsch. Ich habe schon seit meiner Kindheit ein ausgeprägtes Bedürfnis, die Welt zu erforschen und andere Kulturen kennenzulernen. Schon in der Schulzeit, insbesondere bei der Abiturvorbereitung, habe ich als Schwerpunkte Geografie, Fremdsprachen und auch Mathematik gewählt. Nach meinem BWL-Studium habe ich ein Jobangebot als Reiseverkehrskauffrau und später als Reiseleiterin in einer TUI Deutschland Agentur und African Safari Club Agentur angenommen. Und seitdem bin ich der Touristikbranche treu geblieben. Seit 2004 habe ich in mehreren Reisebüros im Landkreis Coburg und Sonneberg gearbeitet. Dabei konnte ich mich in der Branche gut umschauen. Und für die neuen Erfahrungen bin ich meinen früheren Arbeitsgebern sehr dankbar.

 

Was hat Sie dazu bewogen, sich mit einem mobilen Reisebüro selbständig zu machen?

 

In den letzten eineinhalb Jahren hat weltweit der Begriff „Home-Office“ eine neue und wichtige Bedeutung bekommen.  Durch die Isolation wurden unsere beruflichen und privaten Aktivitäten über Internet und verschiedene Social-Media-Kanäle neu erstellt, reorganisiert und mit unterschiedlichem Erfolg geführt. Das hat auch die gesamte Touristikbranche und insbesondere die stationären Reisebüros getroffen. Durch die Kontaktbeschränkungen wurde der gesamte standörtliche Verkauf von Reisen gebremst. Aber die hohen Betriebskosten, wie z.B. Mieten sind geblieben. Das haben leider mehrere Reisebüros finanziell nicht überstanden. Ein großer Teil der Kurzarbeiter dieses Winters war in der Touristik beschäftigt. Das Jahr 2021 bringt uns allen Hoffnung. Die aktuelle Situation in Europa und die positive Entwicklung der Bekämpfung der Pandemie hat die Touristik-Branche zum Erwachen gebracht. Die Sehnsucht nach Urlaub und die Vorfreude steigt in der Bevölkerung enorm. Und die steigende Nachfrage nach Reiseangeboten macht sich in den letzten Monaten auch sehr bemerkbar. Deshalb bin ich auf die Idee gekommen, mein mobiles Reisebüro „Sunshine&More“ zu eröffnen.

 

Hatten Sie Unterstützung auf dem dem Weg in die Selbständigkeit?

Meine Familie stand von Anfang an hinter meinem Vorhaben und hat mich motiviert weiterzumachen. Besonders hervorzuheben ist die Hilfe der IHK zu Coburg, insbesondere von Frau Stammberger, die mich mit ihrem fachkundigen Wissen auf meinem Weg begleitet hat. Das vielfältige Angebot der IHK für Existenzgründer war außerdem eine große Hilfe.

 

 

Was zeichnet Ihr Unternehmen aus?

Als unabhängige und flexible Reiseberaterin kann ich online und mobil meine Kunden beraten, um verschiedene Reisen zu verkaufen. Es geht dann unkompliziert und schnell. Je nach Kundenwunsch (Treffpunkt und Uhrzeit) kann ich meine Angebote persönlich überbringen und eine Buchung vor Ort abschließen. Mein Angebot richtet sich an Privatpersonen in allen Altersgruppen. Die, die moderne Online -Techniken, social media benutzen und / oder persönlichen Beratung – Service brauchen. Durch Zugang zu zeitgemäßen Angebots- und Buchungsprogrammen kann ich gut preis- bzw. leistungsorientierte Offerten ausarbeiten und mehrere Zusatzleistungen, wie beispielsweise Versicherungen, Parkplätze, Eintrittskarten anbieten. Mein Beratungsangebot umfasst auch die Beschaffung von Informationen über Anreisebedingungen, Beschaffung von Visum etc. Alles, was sich der Kunde wünscht.

 

Meine Devise ist: Meine Arbeit ist erst beendet, wenn die Kunden zufrieden aus dem Urlaub zurückgekommen sind! Mit serviceorientierter Betreuung von Kunden soll sich auch mein mobiles Reisebüro „Sunshine&More“ von anderen lokalen Mitbewerbern unterscheiden, weil gute Bewertungen und Weiterempfehlungen einfach die beste Werbung sind.

 

Haben Sie Tipps für andere Gründer?

Nur eine „gute Geschäftsidee“ reicht nicht, um einen guten Start als Unternehmer zu haben. Es ist sehr wichtig, sich gut zu informieren, um die notwendigen Vorrausetzungen zu erfüllen. Wenn es nötig ist, sollte man sich auch dafür speziell weiterbilden. Einen detaillierten Businessplan, eine Marktanalyse und Marketingstrategie, sowie gute Steuerberater helfen dabei, viele Unternehmensrisiken zu vermeiden oder zu minimieren.

 

Wamperling - Eine Erlebnisbrauerei mit wildem Wirtshaus

Thomas Sommer betreibt seit 2021 mit dem Wamperling eine kleine Erlebnisbrauerei mit „wildem“ Wirtshaus und einer Pension in Meilschnitz. Neben selbstgebrautem Bier findet der Gast hier eine gemütliche Wirtshaus- und Biergartenatmosphäre sowie gepflegte Einzel- und Doppelzimmer. Regionalität spielt im gastronomischen Konzept eine große Rolle. Verarbeitet wird nur, was es saisonal auch gibt. Kulinarisch liegt der Fokus auf heimischem Wild. Kartenspieler, Stammtische, Musik im Wirtshaus und Gäste, welche nach der Arbeit „nur“ zu einem Feierabendbier kommen, all das ist ausdrücklich erwünscht. Damit möchte Thomas Sommer die traditionelle Wirtshauskultur neu beleben. Mit seiner Kulinarik und Getränkeauswahl interpretiert er diese aber auch bewusst modern und versucht so eine Symbiose zwischen Stadtbevölkerung und  Landleben zu schaffen.

  

Herr Sommer, Sie sind eigentlich gelernter Winzer und haben zunächst nur als Hobby gebraut. Wie kommt es, dass Sie heute als Brauer selbstständig sind?

 

Tatsächlich habe ich mit dem Brauen als Hobby in der Garage begonnen. Recht schnell richtete ich aber den Fokus bei dieser Leidenschaft in Richtung Nebenerwerb aus. Meine erste kleine Anlage war dann als Prototyp auf einem Anhänger verbaut. Dadurch konnte ich mobil da brauen, wo ich wollte. So starteten die ersten Versuche und mein Bier schmeckte den Konsumenten. Zu dieser Zeit war ich als Vertriebsleiter für ein Weingut tätig. Doch diese Arbeit erfüllte mich nicht und so reifte die Entscheidung, dass aus dem Nebenerwerb mein neuer Beruf werden sollte.

 

Muss man keine Berufsausbildung machen, um Brauer zu werden?

 

Ich bin der Meinung, dass man sich mit dem notwendigen Enthusiasmus alles selbst aneignen kann. Gerade die CraftBeer-Bewegung zeigt, dass man auch als ungelernter Brauer in dieser Branche erfolgreich sein kann. Nichtsdestotrotz wäre eine Ausbildung sicherlich hilfreich gewesen. Eine Pflicht hierzu gibt es aber nicht, da es sich um ein zulassungsfreies Handwerk handelt. Allerdings gelten auch für den ungelernten Brauer die gleichen Regeln wie für den gelernten Brauer. Lebensmittelrecht, Steuerrecht, Hygiene – um nur ein paar Schlagworte zu nennen. Es gibt vermutlich keine Lebensmittelproduktion, welche so reglementiert ist und strenger kontrolliert wird als die Bierherstellung. Höchstens noch die Käseherstellung. Hier kam mir aber mein Önologie Studium zu Gute. Destillations- und Brautechnik, Drucktanks, Pumpen - vieles kannte ich. Letztendlich ist die Technik die gleiche, nur das Lebensmittel ist ein anderes.  

Sie sind gebürtig aus Aschaffenburg und waren zuletzt in Hessen tätig. Jetzt haben Sie ein Gasthaus mit Pension im Landkreis Coburg, genauer im Neustadter Ortsteil Meilschnitz. Wie kam es dazu?

 

Ganz einfach (lacht)! Ich wollte zurück nach Bayern und ich wollte aufs Land! Unterm Strich gefällt mir hier einfach alles ein bisschen besser. Nachdem der Entschluss feststand, mich selbstständig zu machen, ging es in erster Linie „nur“ um die richtige Immobilie! Ich hatte meine Ideen und mein Konzept im Kopf und brauchte einen Ort, um diese zu verwirklichen. Dabei spielen vor allem Gemütlichkeit und Gastlichkeit eine entscheidende Rolle und das gibt es in dieser Art in Hessen nicht. Außerdem waren auch meine Bierstile bereits von Anfang an bayrisch ausgerichtet. An einem Freitag habe ich dann das Gasthaus in einem Immobilienportal entdeckt, am Montag darauf waren wir zum Anschauen hier und am Dienstag habe ich direkt zugesagt. 

 

 

Wie genau lief die Gründung ab? Was waren die einzelnen Schritte?

 

Der eigentliche Startschuss war der Kauf der Immobilie. Allerdings hatte ich bereits vor dem Notartermin schon Kontakt mit der Wirtschaftsförderung der Stadt Neustadt aufgenommen. Ich wollte sichergehen, dass ich an dem Standort auch eine Brauerei eröffnen durfte. Hier erhielt ich übrigens durch Frau Franz eine sehr gute Unterstützung. Sie knüpfte für mich Kontakte in die verschiedenen Ämter und begleitet mich auch jetzt noch in der Nachgründungsphase. Nach dem Kauf mussten dann eine Nutzungsänderung und eine Gaststättenkonzession beantragt werden. Zuletzt erfolgte noch die Gewerbeanmeldung. Alles in allem ein längerer und aufwändiger Prozess bis alles fertig war.

 

Welchen Anteil hat die Familie bei so einer beruflichen Veränderung?

 

Der Partner muss ebenfalls bereit für diesen Schritt sein, denn eine moralische Unterstützung ist unabdingbar. Vieles kommt anders als man denkt und da können durchaus Entwicklungen auf einen zukommen, welche einen bis kurz vor den (beruflichen) Abgrund treiben. Dies spürt ein Partner natürlich als erster und man braucht dann jemanden, welcher kompromisslos bereit ist, einen aufzufangen. Nach meiner Philosophie darf die Familie aber nicht fester Bestandteil des Betriebs sein. Natürlich ist eine helfende Hand gerne mal gesehen. Eine Gastronomie muss aber auch wirtschaftlich funktionieren, ohne dass die ganze Familie unentgeltlich mitarbeitet. 

 

 

Würden Sie wieder gründen und falls ja, würden Sie etwas anders machen?

 

Ich habe nun erst seit ein paar Wochen geöffnet, aber die bisherige Resonanz der Gäste ist sehr positiv. Zum jetzigen Zeitpunkt würde ich auf jeden Fall wieder gründen und ja, ich würde auch einiges anders machen. Allerdings nichts Grundlegendes. Die meisten Änderungen würden vor allem mit der besonderen Corona-Problematik zusammenhängen. Was für mich bei einer erneuten Gründung allerdings anders wäre, sind das Netzwerk und die Kontakte, welche ich heute habe. Als meine Familie und ich nach Neustadt kamen, kannten wir ja niemanden. Angefangen bei potentiellen Partnern und Lieferanten für das Gasthaus bis hin zu Handwerkern und Firmen für den Um- und Ausbau. Ein Start in einer Region, welche man kennt, wäre definitiv einfacher.

Was ist der Unterschied zwischen Angestelltenverhältnis und Unternehmertum?

 

Als Angestellter kann man vermutlich entspannter leben. Feierabend ist für einen Selbstständigen eher schwierig (lacht), vor allem in der Anfangsphase. Jedoch ist es in einem Angestelltenverhältnis häufig unmöglich seine Träume zu verwirklichen oder gar sein Hobby zum Beruf zu machen. Für das, was ich machen wollte, kam eine Anstellung deshalb nicht in Frage und ich bin vermutlich auch gar nicht als Arbeitnehmer geeignet, da ich einfach sehr kreativ bin und meinen eigenen Kopf habe. Für mich wird nun die besondere Herausforderung sein, Verantwortung auch wieder abzugeben. Ich habe einen hohen Service- und Qualitätsanspruch und diesem möchte ich auch gerecht werden. Ich muss jedoch lernen, dass man einfach nicht alles selbst machen kann. Deshalb braucht man ein Team (ein angestelltes - nicht die Familie!), welches das Konzept selbst lebt und einen Unternehmer, welcher als Gastgeber auch das große Ganze im Blick hat! 

 

Den Traum vom eigenen Biergarten oder vielleicht sogar auch vom eigenen Bier haben bestimmt viele? Was würden Sie ihnen raten?

 

Als generellen Tipp: Nachdem ihr eine Idee hattet, macht einen Plan! Schreibt euch alles auf! Denkt nicht zu kurzfristig! Mein Businessplan ist bereits auf 15 Jahre ausgelegt. Mit dem nötigen Willen und Durchhaltevermögen kann jeder alles erreichen, aber auf dem Weg zum Erfolg wird es viele Stolpersteine geben. Davon darf man sich nicht abbringen lassen. Ob ich selbst dauerhaft Erfolg habe und mein Konzept aufgeht, wird sich natürlich erst noch zeigen. Außerdem empfehle ich, dass man mit anderen Unternehmern spricht und deren Wissen und Erfahrungen aufsaugt. Gerade im Bereich der Gastronomie kann man bei jedem Gespräch etwas lernen. Zum Schluss pickt man sich aus allen Eindrücken die Rosinen raus und schnürt sich dann sein eigenes Päckchen.